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Tanzmariechens neue Kleider

Tanzmariechens neue Kleider
Tobias Kock und Dora Maric unterziehen den Stoff verschiedenen Wölb- und Berstdruck-Messungen. FOTO: Andreas Baum
M’gladbach (um). Wenn Brauchtum auf Wissenschaft trifft, dann können erstaunliche Ergebnisse dabei herauskommen. Die KG Wickrather Kreuzherren beauftragte Studierende der Hochschule Niederrhein mit dem Entwurf neuer Kostüme für die Tanzgarde. Das Ergebnis ist zukunftsweisende Mariechen-Kleidung mit Pepp. Von Ulrike Mooz

So manche berühmte Eisprinzessin dürfte vor Neid erblassen, wenn sie die neuen Kostüme der Kreuzherren-Tanzgarde sieht: aufspringende Kellerfalten, geschickt angebrachtes Vereinslogo, Glimmersteinchen und Pettycoat – und dann ist das Ganze auch noch bequem und funktional. Das Projekt-Team der Hochschule Niederrhein hat ganze Arbeit geleistet.

Die alten Kostüme der Tanzgarde der Wickrather Karnevalsgesellschaft hatten ihre besten Zeiten längst hinter sich: Nach mehr als zwei Jahrzehnten zwickt und zwackt es an allen Ecken und Enden: Die Weste stört bei den Figuren, vieles ist schon mehrmals umgeändert und geflickt worden oder fadenscheinig. "Das genügt den sportlichen Anforderungen nicht mehr, wenn der Gummibund unter dem Busen sitzt", sagt Tanzmariechen-Trainerin Kerstin Kochanski und insgesamt seien auch zu viele Farben im Spiel gewesen. "Da verschwimmt dann das Bild beim Zuschauen."

Was für die Wickrather pure Notwendigkeit ist, wird für zehn Studierende zur Übung für das echte Berufsleben: Auf der spontanen Suche nach jungen modernen Designern zur Entwicklung neuer Kostüme "stolpert" Kerstin Kochanski auf dem Greta-Markt über Absolventen des Fachbereichs Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein, die sie an Prof. Dr.-Ing. Kerstin Zöll verweisen. Die macht prompt ein Projekt draus. "Wir legen großen Wert darauf, dass die Studenten lernen, mit richtigen Projektplanungsmethoden zu arbeiten", sagt die Professorin. Zeit- und Personalplanung gehörten da ebenso dazu, wie Risikomanagement und der Umgang mit einem festen Budget.

Die zehn Studierenden bekommen die Aufgabe, ein Gardekostüm zu entwickeln, dass sportlichen und tänzerischen Anforderungen genügt, leicht waschbar ist und keine Schweißränder zeigt. Die Meinung der Tanzmariechen wird auch mit einbezogen."Wir haben extra einen Zweiteiler entworfen, damit man nicht jedes Mal alles wachsen muss", sagt Dora Maric, angehende Textile and Clothing Manager.
Dass das Budget von 500 Euro, das die Karnevalsgesellschaft für die Entwicklung von Body, Rock, Hütchen und Pettycoat hinblättert sogar noch unterschritten wird, ist hauptsächlich dem geschickten Stoffeinkauf der angehenden Textilmanagerin Angelina Schell zu verdanken. "Wir haben sogar noch 130 Euro übrig", freut sich Kreuzherren-Geschäftsführer Karl-Heinz Hahn.
Dass just nach Fertigstellung des Prototyps (einmal weiblich und einmal männlich) das Solomariechen, für das das Kostüm maßgeschneidert wurde, schwanger wird, kann vorher auch keiner wissen. Das Team unter der Führung der Textiltechnologie-Studentin Carolin Ruffen, die das Projektmanagement übernommen hatte, disponiert kurzfristig um und näht das Musterkostüm zwei Nummern kleiner.
Das Finden dreier geeigneter Schneidereien und günstiger Stofflieferanten ist im Projektauftrag inbegriffen. Jetzt müssen die Kreuzherren aktiv werden. In dieser Session wird das wohl nicht mehr klappen. Aber spätestens ab dem 11.11. dieses Jahres wird die Tanzgarde im neuen Gewand auf der Bühne stehen.

Die Teams der Projekte werden aus allen Textilstudiengängen ausgelost. Für die Kostüme arbeiteten aus dem fünften Semester Textiltechnologe Tobias Kock, Design Ingenieurin Mode Jana Lewin, Textilmanagerin Angelina Schell, Textiltechnologin und Design Ingenieurin Textil Marie Hassel, Bekleidungsmanagerin Sarah Mira Oelmann, Design Ingenieurin Textil Nora Struwe, Textile and Clothing Manager Dora Maric, Textilmanagerin Carolin Lara Finke, Produktentwicklerin Philine Jansen und Textiltechnologin Carolin Ruffen zusammen.

(Report Anzeigenblatt)