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Tatort Europaplatz

Tatort Europaplatz
Der Europaplatz hat sich 2017 zum Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt. Dank der Ermittlungsarbeit der Polizei sind die Zahlen aber schon wieder rückläufig. FOTO: Andreas Baum/Arborpulchra Fotolia
Mönchengladbach. Drogendelikte und Beschaffungskriminalität: der Europaplatz vor dem Hauptbahnhof ist im vergangenen Jahr immer mehr zu einem Kriminalitätsschwerpunkt geworden. Die Polizei hat reagiert und eine Ermittlungsgruppe eingerichtet - mit Erfolg. Von Ulrike Mooz

Abends, wenn es dunkel wird und ganz früh am Morgen, macht so mancher Mönchengladbacher einen Bogen um den Bereich Hauptbahnhof. Im vergangenen Jahr hat sich dort immer mehr ein Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt. Die Polizei hat reagiert und im November 2017 die Ermittlungsgruppe Europaplatz eingerichtet. Die operiert mit verdeckten Ermittlern und uniformierten Einsatzkräften gegen Taschendiebstähle, Drogenhandel, Sachbeschädigung, Ladendiebstähle und Körperverletzung. "Es kann einfach nicht sein, dass rechts und links der Passanten Drogen vertickt werden", sagt Polizeipräsident Mathis Wiesselmann. Sowohl die "Kunden" als auch die Dealer seien oftmals gar nicht aus Mönchengladbach. Der Platz vor dem Bahnhof habe sich nur einfach als Umschlagplatz bewährt.

Am Donnerstag konnte die Polizei erste Ergebnisse präsentieren. So gab es seit November 50 Festnahmen mit 21 Inhaftierungen - 14 davon wegen Handels mit Betäubungsmitteln.

"Von den Inhaftierungen sind wir besonders begeistert", so der Polizeipräsident, denn die seien meistens gar nicht so einfach durchzusetzen. In vielen Fällen seien die Tatverdächtigen bis zur Verhandlung auf freiem Fuß und würden munter weiter agieren.
Bei den Drogendelikten gehe es um Kokain, das überwiegend von Zentralafrikanern verkauft würde, den Verkauf von Marihuana würden sich Nordafrikaner und Zentralafrikaner teilen, der Handel mit Heroin gehe zumeist auf das Konto von deutschen Dealern oder auch libanesischen Gruppen und auch die Eigentumsdelikte gingen überwiegend von deutschen Kriminellen aus, weiß Kriminalhauptkommissar Bernd Fechner, Leiter der Ermittlungsgruppe.
Die Kokainhändler würden in der Regel auf die Polizei so reagieren, dass sie ihre Ware, die sie in Form von so genannten Bubbles mit sich führten, einfach verschluckten. Verdeckte Ermittler, die als Kunden aufträten seien deshalb erfolgreicher, als uniformierte Polizeipräsenz. "Wenn die uns sehen, gehen die nur ein paar Schritte weiter", sagt Michael Paland, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Wache Rheydt.
Die Gesamtzahl der Delikte rund um die Drogenszene am Europaplatz ist in den letzten zwölf Monaten von 714 auf 576 gesunken. Diebstähle im Zusammenhang mit Beschaffungskriminalität sind von 517 auf 385 zurück gegangen, Ladendiebstähle von 386 auf 286.
Der Erfolg der Ermittlungsgruppe Europaplatz ist nicht zuletzt auf die enge Zusammenarbeit mit der uniformierten Polizei zurück zu führen. "Wenn verdeckte Ermittler Drogen kaufen, halten wir uns natürlich zurück", sagt Michael Paland.
"Wir setzen alles daran, den Standort Mönchengladbach für die Drogenszene so unattraktiv wie möglich zu machen", sagt Mathis Wiesselmann. Man könne das gesellschaftliche Problem Drogenkonsum nicht auf kommunaler Ebene lösen, aber man könne darauf hin arbeiten, dass Drogenhändler und ihre Kunden Mönchengladbach als Umschlagplatz uninteressant fänden.
Vor einigen Jahren hatte der offene Drogenverkauf hinter dem Hauptbahnhof auf dem Platz der Republik schon einmal eine Ermittlungsgruppe notwendig gemacht.

(Report Anzeigenblatt)