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Vierter Teil unserer Sommerserie: Redakteur Kellys Grammatikou beim Cheerleading-Training
Teddy Figur und kleiner Elevator

Vierter Teil unserer Sommerserie: Redakteur Kellys Grammatikou beim Cheerleading-Training: Teddy Figur und kleiner Elevator
Fotos: Mocnik FOTO: Max
Schiefbahn. Sie feuern an, sie sehen gut aus, sie lachen und strahlen immer und sie sind die Hingucker bei jedem American-Football-Spiel: die Cheerleader. Im vierten Teil unserer Sommerserie versucht sich auch Extra-Tipp-Redakteur Kellys Grammatikou mal als Cheerleader und entdeckt dabei ganz andere Seiten am Cheerleading (und an sich). Von Kellys Grammatikou

Nei

n, eine Midlife-Crisis habe ich nicht und als Mann in den besten Jahren wollte ich auch nicht meine feminine Ader entdecken. Trotzdem wollte ich dem Cheerleading-Sport mal auf den Grund gehen. Denn mal ganz ehrlich, wann hat man(n) schon mal Gelegenheit dazu? Und was ist dran an dem Mythos, Cheerleader sind nur gut aussehenden Mädels die sonst nichts im Kopf haben, nur lächelnd am Spielfeldrand stehen?

Bei den Cheerleadern der Schiefbahner Riders habe ich die Gelegenheit, mal beim Training mitzumachen. Da stehe ich nun – nicht bei den breitschultrigen Jungs, die den Football hin- und herwerfen und mich dabei mit zweifelhaftem Blick mustern. Ich lächel nur zurück. „Alles ok“, kommt mir nur kurz über die Lippen. Ein wenig komisch komme ich mir ehrlich gesagt schon vor.

Trainerin Melina Cox holt mich aus meinen Gedanken. „Jetzt wird erstmal gedehnt“, sagt sie und klatscht in die Hände. Eigentlich ist Trainings-Sommerpause, darum sind auch nur fünf Mädels an einem heißen und sonnigen Freitagabend dabei. „Nur für Dich“, sagt Melina Cox und zwinkert mit dem Auge. Dehnen ist ja genau mein Ding denke ich mir und fühle den Schmerz, als mir Trainerin Melina mein Bein auf ihre Schulter legt und es hochdrückt. Das tut weh. Einen Spagat wollte ich heute eigentlich nicht mehr machen. „Für uns Cheerleader ist vernünftiges Aufwärmen sehr wichtig, damit wir uns nachher beim Tanzen oder den Choreographien keine Verletzungen zufügen“, erklärt sie mir. Verletzung? Das soll sie mal meinen Beinen sagen, die nach dem Dehnen kaum noch gerade stehen können. Cheerleader Alina Plöcks hingegen freut sich. „Wenn ich einen Spagat machen soll, dann muss ich mich doch megaheftig dehnen“, sagt sie.

Egal, weiter geht’s. Damit es für mich ganz einfach ist, wird heute der „kleine Elevator“ (Fahrstuhl) geübt. „Der kleine Elevator ist eine von vielen Figuren, die wir am Spielfeldrand ganz schnell aufbauen müssen“, erklärt mir die 23-jährige Melina Cox, die selber jahrelang bei den Düsseldorf Panthers Cheerleader war und nun die Girls der Riders trainiert. Beim „kleinen Elevator“ bilde ich dann die mittlere Stütze. Dabei werden Alina und Jasmin von Katharina und Lena hochgedrückt. Im gleichen Moment muss ich jeweils ein Bein von Jasmin und Alina zu fassen bekommen. Jetzt noch die Pompons in die Luft und fertig ist die erste Figur. Das ist einfach – finde ich. Mein Einsatz ist ja auch nicht groß. Kraft genug habe ich für die leichtgewichtigen Girls. „Und jetzt mal anders rum“, ruft Melina. Andersrum? Diesmal soll ich mich auf die Oberschenkel von Alina und Katharina stellen. Die armen Mädels, denke ich mir. Ich 90-Kilo-Mann auf zwei so zarten Mädels. Eins, zwei „... down und up“, rufe ich und drücke mich auf den beiden Cheerleaderinnen ab nach oben. Das ist ganz schön wackelig. „Spannung halten, Brust raus“, ruft Melina mit strengem Ton. „Und lächeln“, sagt sie während sie mir die Pompons in die Hand drückt. „Spannung“, ermahnt sie mich ein zweites Mal. Spannung, lächeln, Pompons hoch, nicht wackeln – mir schießen zig Dinge durch den Kopf, so dass ich mich kaum auf die Balance konzentrieren kann. Das Ergebnis: ich kippe und falle zu Boden wie wohl einst der Koloss von Rhodos. Nix da mit Eleganz oder Ästhetik. „Tja, so ist das“, sagt Trainerin Melina Cox. Sie steht vor mir und schaut mich von oben an. „Cheerleading ist eben mehr als nur Tussi sein und gut aussehen“, scherzt sie.

Aber recht hat sie. Knapp eineinhalb Stunden probieren wir verschiedene Choreos und Figuren – einfach und leicht ist wirklich anders. Dem Cheerleading muss ich einfach Respekt zollen.

„Wir trainieren immer freitags. Im Sommer proben wir unsere Tänze und Choreographien, die wir meist im Winter-Training entwickeln“, erklärt mir die Trainerin. Insgesamt müssen die Mädels acht Choreographien mit 64 Schritten abrufbereit drauf haben wie den Elvator oder den kleinen Teddy. Hinzu kommen spezielle Zusatztänze zum Beispiel wenn die Defense aufs Spielfeld geht oder das Team einen Touchdown erzielt hat. „Unser Captain ist Marie Claire Hintzen. Sie gibt den Mädels kurz die Choreo vor und die Mädels müssen sofort wissen, was gewollt wird“, sagt sie weiter.

„Wir sind die Cheerleader. Wir sorgen für Stimmung während des Spiels oder in den Time-Out-Phasen. Cheerleading ist richtiger Sport und nicht einfach nur rumstehen.“

Eineinhalb Stunden Cheerleading-Training waren anstrengend, aber haben auch irre viel Spaß gemacht. Mit Blick auf die Footballer komme ich mir dann doch wieder etwas komisch vor. Doch Melina Cox kann mich beruhigen. „Keine Sorge“, zwinkert sie mir zu, „Chee

rleading war ursprünglich mal reine Männersache“.

(Report Anzeigenblatt)