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Therapeuten schlagen Alarm

Therapeuten schlagen Alarm
Vor dem Minto machten die Mönchengladbacher Therapeuten mit einer Kreideaktion auf die Missstände in ihrem Berufszweig aufmerksam. FOTO: Joachim Körting
Mönchengladbach (sg). „Therapeuten am Limit“ - mit einer bundesweiten Kreideaktion machten am Samstag auf der Hindenburgstraße auch die Mönchengladbacher Ergo- und Physiotherapeuten auf Missstände bei der Versorgung von Patienten aufmerksam. Von Sandra Geller

Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten, Podologen und Diätassistenten – sie alle wehren sich gegen die zunehmend schlechteren Rahmenbedingungen ihres Berufszweiges. Geringe Vergütungen durch die Krankenkassen, ein hoher bürokratischer Aufwand und zu wenig Fachkräfte-nachwuchs: „Die Versorgung der Patienten hat sich rapide verschlechtert“, kritisiert Philippe Gauffriau, Ergotherapeut aus Mönchengladbach. Lange Wartezeiten für Termine wären die Folgen, Leistungen wie Hausbesuche oder Lymphdrainage könnten teilweise gar nicht mehr abgedeckt werden.

Rund 20 000 Euro kostet die Ausbildung zum Therapeuten, das hält viele junge Leute davon ab, diesen Beruf zu erlernen. Die Folge: Fachkräftemangel. Offene Stellen können kaum bzw. gar nicht mehr besetzt werden. Auch die Vergütung ist nicht wirklich attraktiv. Aktuell liegt das durchschnittliche Bruttogehalt für eine Vollzeitstelle in Deutschland bei circa 2 200 Euro. Der Aufwand durch die bürokratischen Vorgaben der Krankenkassen würden durch die Vergütungen nicht honoriert und kosteten eine Praxis etwa 56 Arbeitstage pro Jahr. „Durch praktikablere und praxisnahe Lösungen könnten die Therapeuten wieder ihrer eigentlichen Profession nachgehen“, sagt Gauffriau.

Die jetzt durchgeführte bundesweite Protestbewegung „Therapeuten am Limit“ geht auf die Aktion von Heiko Schneider zurück, der zu Beginn des Jahres mit dem Fahrrad von Frankfurt am Main nach Berlin gefahren ist, um seinen und 1 000 weitere Brandbriefe an Gesundheitsminister Jens Spahn zu übergeben. In Deutschland haben sich über 70 Orts- und Regionalgruppen der Aktion angeschlossen.

(StadtSpiegel)