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Tolle, aber einmalige Erfahrung

Tolle, aber einmalige Erfahrung
Die stolze Summe von 1 500,35 Euro konnte Jürgen Frommhold (l.) an Sandra Gottschalk vom Verein „Zornröschen“ übergeben. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Mit einem alten NSU-Rad aus dem Jahr 1935 hatte sich Jürgen Frommhold von Mönchengladbach aus in Richtung Bodensee auf den Weg gemacht (der Extra-Tipp berichtete). Dabei wollte er Spenden für den Verein "Zornröschen" sammlen. Jetzt konnte er 1 500,35 Euro übergeben. Von David Friederichs

"So würde ich es nie wieder machen", sagt Jürgen Frommhold, hat dabei aber trotzdem ein Lächeln auf den Lippen. Schließlich war es ja auch ein freudiger Grund des Zusammentreffens in den Räumlichkeiten des Vereins "Zornröschen", der sich gegen den sexuellen Missbrauch von Jungen und Mädchen einsetzt. Mit dabei hatte Frommhold nämlich seine kleine weiße Spendendose, die er auf seiner Fahrradtour von Mönchengladbach an den Bodensee stetig "gefüttert" hatte.

Anfang August hatte sich Frommhold mit einem alten NSU-Rad aus dem Jahr 1935 inklusive massivem Anhänger auf die über 800 Kilometer lange Strecke gemacht - in zum Fahrrad passender zeitgenössischer Kleidung, mit Knickerbocker, Fliege, Schiebermütze und Kniestrümpfen. Natürlich durfte auch die entsprechende Musik nicht fehlen. So begleiteten ihn auf der Tour per Lautsprecher Lieder von Max Raabe, Glenn Miller oder Johannes Heesters. Zwei Jahre hatte er die Tour geplant doch schon vor dem Start gab es erste Probleme. Erst streikte der Dynamo, dann brach der stilechte Fahrradständer. Zu guter Letzt sollte auch das Wetter mit fast durchgehend über 30 Grad seinen Teil dazu beitragen, dass die Tour zwar viele tolle persönliche Erlebnisse und Bekanntschaften mitbrachte, aber Frommhold auch körperlich an die Grenzen brachte. "Die Hitze war extrem, so dass ich schon ab dem zweiten Tag meine Weste abgelegt habe", erinnert sich Fommhold. Außerdem machte ihm ab Tag zwei seine Hand zu schaffen, da er durch einen eingeklemmten Nerv zwei seiner Finger kaum noch bewegen konnte. Doch aufgeben kam nicht in Frage.

Insgesamt 13 Etappen galt es zu überstehen mit Streckenlängen zwischen 42 und 90 Kilometern pro Tag. An den jeweiligen Zwischenzielen ergaben sich interessante Gespräche und Erlebnisse, wie beispielsweise am Schokoladenmuseum in Köln, wo ein Antikmarkt und ein 50er bis 70er Jahre Treffen stattfand, oder auch in Mainz, wo er auf dem höchsten Punkt der Stadt bei Richard Wagner und seiner Frau übernachten durfte. "Ich habe erst vor Ort erfahren, dass Richard Wagener Präsident der Mainzer Carnevals Vereins ist. Sie haben mich so herzlich empfangen, alle meine Sachen gewaschen und mir wirklich jeden Wunsch von den Augen abgelesen - selbst Wünsche, die ich gar nicht hatte, wurden erfüllt", so Frommhold.

Und wie kamen dabei Spenden zu Stande? Ganz einfach. Frommhold wollte das Geld, was er bei Übernachtungen einsparen konnte, in seine Spendenbox tun. "Vier Mal habe ich bei den Übernachtungen Geld sparen können und jeweils 50 Euro in die Spendendose getan", so Frommhold. Außerdem bat er um Spenden bei den Leuten, die mit ihm ein Foto machen wollten.

Insgesamt kamen alleine auf der Tour damit rund 900 Euro zusammen, zudem hatten Neuwerker Vereine, wie der Lauftreff aus Neuwerk und Frommholds alte Volleyball Hobbymannschaft, von der Aktion erfahren und Geld gespendet. So kam am Ende die stolze Summe von 1 500,35 Euro zusammen, die jetzt an den Verein "Zornröschen" gespendet werden konnte.

"Für uns sind solche Spenden extrem wichtig", weiß Sandra Gottschalk vom Verein "Zornröschen" zu berichten. Denn alleine durch die öffentliche Förderung seien die Kosten nicht zu decken. Schließlich sei es wichtige, allen Betroffenen schnell und unbürokratisch helfen zu können und in Projektarbeiten auch in Schulen Aufklärungsarbeit zu leisten und zu sensibilisieren.

Das Ende der Fahrradtour nahm übrigens ein jähes Ende. Auf dem letzten Teilstück von Schaffhausen Richtung Friedrichshafen hatte sich ein Halstuch im hinteren Kettenritzel verfangen, was zur Folge hatte, dass die Kette riss. Zwar hatte Frommhold eine Ersatzkette dabei, diese aber passte nicht. In einem kleinen Fahrradladen wurde die Kette notdürftig repariert, doch nur zwei Kilometer später war endgültig Schluss. So musste er sich von seinem in Friedrichshafen wohnenden Schwager abholen lassen.

Frommholds Fazit: "Es ist nicht alles so gelaufen wie geplant, trotzdem war es eine tolle Erfahrung, mit tollen Menschen. So werde ich nie wieder fahren, aber anders. Nur wie, dass weiß ich noch nicht."

Wer sich den ganzen Reisebericht von Jürgen Frommhold durchlesen möchte, der kann dies auf seiner Homepage unter www.juergen-frommhold.de machen.

(Report Anzeigenblatt)