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Und was wird aus uns?

M’gladbach. Ziemlich genau fünf Jahre nach Fukushima ist das Thema Reaktorunfall bei uns aktuell wie nie. Der Rat hat sich einstimmig für die Stilllegung des Atomkraftwerks im belgischen Tihange ausgesprochen, die Stadt Mönchengladbach unterstützt die Klage der Städteregion Aachen gegen den Betreiber Electrabel. Der Stadt Spiegel hat den Aachener Professor Dr. Alfred Böcking gefragt, in welcher Weise Mönchengladbach von einem Störfall betroffen sein könnte. Von Ulrike Mooz

Der als „Pannenreaktor“ bekannte Atommeiler im belgischen Tihange macht fast täglich Schlagzeilen. Nur 110 Kilometer von Mönchengladbach entfernt jagt ein „kleinerer“ Störfall den nächsten, wird immer wieder hoch und runter gefahren - seit Jahresanfang schon etliche Male.

Bei uns haben Politik und Stadt reagiert, fordern die Stilllegung und unterstützen die Sammelklage gegen den Betreiber Electrabel. Im Alltag dagegen denkt kaum einer darüber nach.

Der Aachener Professor Dr. Alfred Böcking, Facharzt für Pathologie und Mitglied der IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e. V.), hat ausgerechnet, dass bei einem Störfall – ähnlich dem von Tschernobyl – die Mönchengladbacher bei normaler Windrichtung und -geschwindigkeit eine Vorwarnzeit von acht bis zehn Stunden hätten. „Panik ist kein guter Ratgeber. Sich ins Auto setzen und versuchen zu fliehen, führt dazu, dass man ungeschützt im Stau steht“, sagt der Fachmann für durch Strahlen verursachte Krankheiten.

Eine vermeidbare Bedrohung, so der Arzt, sei der Schilddrüsenkrebs und dem könne man vorbeugen, indem man drei Stunden vor Eintreffen der unsichtbaren radioaktiven Staubpartikelwolke Jodtabletten einnehme. „Wir kämpfen dafür, dass die Jodtabletten vorverteilt werden“, so Böcking, in der Schweiz und in Luxemburg sei das längst geschehen. Zusätzlich könne man sich schützen, indem man ein bis zwei Wochen zu Hause bleibe – bei geschlossenen Fenstern und Türen.

Und wie sieht es aus, wenn die Wolke vorbei gezogen ist? Bei Wind aus West/Nord-West, so eine Simulation von Greenpeace Belgien, könnte Gladbach mit einem „blauen Auge“ davon kommen. Käme der Wind allerdings, wie meistens, aus Süd-West, wäre Mönchengladbach betroffen, aber unter Einhaltung von Regeln weiter bewohnbar. Es dürfe dann vor allem kein Obst und Gemüse aus der Region, sowie Fleisch von draußen gehaltenen Tieren mehr gegessen werden. Kinder müssten von besonders kontaminierten Flächen fern gehalten werden.

(StadtSpiegel)