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Unermüdlicher Kerzen-Engel

Unermüdlicher Kerzen-Engel
Hermine Weinert und ihre Kerzen: Seit fast 15 Jahren stellt sie Kerzen in Eigenproduktion her und spendet den Erlös an das Krankenhaus Neuwerk und die Deutsche Leukämieforschungshilfe. FOTO: Andreas Baum
Herrenshoff. Seit fast 15 Jahren brennt Hermine Weinert für ihre Idee. So lange schon stellt sie selber Kerzen her und spendet den gesamten Erlös der Kinderklinik des Krankenhauses Neuwerk und der Deutschen Leukämieforschungshilfe. Von David Friederichs

„Sie müssen entschuldigen, dass es hier gerade nicht so aufgeräumt ist.“ Hermine Weinert steht in ihrem Keller oder besser in ihrer Werkstatt. Überall steht Wachs herum, in einer Kiste liegen Dochte, in einer Plastiktüte sind alte Kerzenstummel. „Die kann man noch nutzen“, sagt Weinert. Aus alt mach neu - das gilt also auch bei Kerzen. Vor rund 15 Jahren begann die gelernte Näherin, in Eigenproduktion Kerzen herzustellen. Auslöser dafür war aber nicht etwa ihre Kerzen-Liebe, sondern ein Besuch im Krankenhaus Neuwerk. „Das Leid der Kinder hat mich so berührt, dass ich wusste: hier muss ich etwas tun!“ Nicht nur, dass sie im ersten Schritt dem Krankenhaus einen Hochstuhl zur Verfügung stellte, Weinert machte sich an die eigene Kerzenproduktion. Das Bemerkenswerte: alle Rohmaterialien und auch Verpackungsmaterial und Kleber kauft sie aus eigener Tasche. „Ich will, dass das eingenommene Geld zu 100 Prozent bei den Kindern ankommt“, sagt die 77-jährige. Mittlerweile bekommt sie von verschiedenen Stellen immer wieder Wachs zur Verfügung gestellt. Manchmal nimmt sie sogar weite Strecken auf sich, wenn irgendwo für sie etwas Wachs abfällt.

In unterschiedlichen Größen stellt Hermine Weinert ihre Kerzen her, auch farblich reichen sie von weiß, über rot und blau bis hin zu grün. „Irgendwann habe ich die Kerzen mit Serviettentechnik verschönert“, sagt Weinert. Hilfe erfährt sie dabei von ihrer Freundin Heidi Neus. „Ohne ihre Hilfe wäre das gar nicht zu schaffen.“ Großen Absatz finden Kerzen im Design von Borussia Mönchengladbach, aber auch Sonderanfertigungen, wie zuletzt für ein paar Jäger, sind für sie kein Problem Zwischen 1 000 und 2 000 leuchtende Kunstwerke stellt sie jährlich her und erzielt damit einen Gewinn von 5 000 bis 10 000 Euro.

In diesem Jahr setzte sie ein Unfall im Spätherbst außer Betrieb. „Zum Glück hatte ich schon rund 500 Kerzen vorgefertigt“, sagt Weinert. Ganz untätig konnte sie aber trotz der angeschlagenen Gesundheit nicht sein. „Mein Arzt sagte zwar, ich solle etwas kürzer treten, aber die Bestellungen mussten ja erledigt werden“, sagte die Vierfachmutter mit einem Lächeln.

Um nicht den Überblick zu verlieren, wo das Geld und die Sachspenden gelandet sind, führt sie akribisch Buch. Zahlreiche Aktenordner sind mittlerweile voll. Rund 80 000 Euro gingen so bereits an das Krankenhaus Neuwerk und die Deutsche Leukämieforschungshilfe. Und wenn es nach der rüstigen Rentnerin geht, sollen es auch noch viele Euro mehr werden. „Meine Töchter fragen mich Jahr für Jahr, wie lange ich das noch machen will. Aber so lange es noch geht, mache ich weiter.“

(Report Anzeigenblatt)