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Sechster Teil der Sommerserie „Mein verborgenes Talent“: Redakteurin Claudia Ohmer versucht sich am Schlagzeug
Von der Triangel zur Hirngymnastik

Sechster Teil der Sommerserie „Mein verborgenes Talent“: Redakteurin Claudia Ohmer versucht sich am Schlagzeug: Von der Triangel zur Hirngymnastik
Immer locker im Handgelenk bleiben und Hand und Fuß auch über Kreuz koordinieren - das Schlagzeug-Spiel ist gar nicht so einfach. Mit den Stöcken (Sticks) werden auf Tomtom, kleiner Trommel, Hi-Hat und weiteren Becken Töne erzeugt. Mit dem Fuß wird die Bass Drum (ähnlich der Pauke) gespielt. FOTO: Uli Rentzsch
Nettetal. Von Notenschlüssel, Akkorden und Oktaven, geschweige Musikinstrumenten habe ich keine Ahnung. Ich will nicht sagen, dass ich unmusikalisch bin, kein Rhythmusgefühl habe. Aber meine Erfahrung im Bereich Musikinstrument beläuft sich auf frühkindliche Klang-Experimente an Triangel und Glockenspiel. Grund genug sich der Herausforderung „Schlagzeug“ zu stellen - im sechsten Teil unserer Sommerserie „Mein verborgenes Talent“. Von Claudia Ohmer

Das kann doch nicht so schwer sein, im Takt auf einige Trommeln und Becken zu schlagen, denke ich mir. Allerdings noch bevor ich im Probenraum von „ups - die band“ in Nettetal ankomme. Hier werde ich mit Unterstützung des Band-Drummers Klaus Rotering meine ersten Erfahrungen am Schlaginstrument sammeln. Dass diese nicht gar so glorreich werden, vermute ich schon früh während meiner ersten (es wird wohl auch die letzte bleiben) Übungseinheit. Obwohl ich gelesen habe, dass der Motivationsgrad bei Anfängern am Schlagzeug aufgrund der schnellen Erfolgserlebnisse sehr hoch sein soll. Nun ja, mal abwarten, beziehungsweise starten.

Ran an die Sticks (so nennt der Profi die Schlagstöcke) und einfach mal losgelegt und die vielen Klangobjekte ausprobiert. Denn mein Lehrer ist noch nicht in Sicht. Wow! Toller Sound! Das macht Spaß. „Da geht aber noch mehr“, motiviert mich Band-Gitarrist und Sänger Uli Rentzsch.

„Mal ruhig mehr Schmackes dahinter geben“, sagt mir einige Minuten später auch der frisch eingetroffene Schlagzeuger Klaus Rotering. Gar nicht so einfach, sich zu überwinden, mit richtig viel Schwung auf die Pedale zu treten, die den dumpfen satten Ton der Bass Drum erzeugt. Immerhin darf ich solchen „Krach“ ja nicht jeden Tag machen. Doch die zaghafte Zurückhaltung darf ich nun beiseite legen.

„Jetzt mal die Sticks dazu einsetzen und ganz locker im Handgelenk bleiben“, gibt mir Klaus Rotering die Anweisung. Er selbst ist erst vor fünf Jahren zum Schlagzeug gekommen. „Die Gitarre war nix für mich. Und fürs Schlagzeug habe ich auch Unterricht genommen, um mir bei den Grundlagen wie der Stockhaltung nichts zu versauen“, erklärt mir der 45-Jährige.

Okay, noch einmal auf die lockere Handbewegung geachtet, muss ich mich jetzt wirklich auf die Kombination von Händen und Fuß konzentrieren. Oh je! Die linke Hand schlägt einen anderen Takt auf der Trommel als die rechte Hand auf dem Becken (Hi-Hat), und dann auch noch den Beat mit dem rechten Fuß beibehalten. Puh! Ich komme ins Schwitzen, und das nicht nur wegen der hochsommerlichen Temperaturen.

„1-2-3-4, versuche einfach mal den Takt mitzuzählen, 1-2-3-4“, gibt mir der Profi den Tipp.

Klappt das einigermaßen mit den Schlägen oben, scheint sich mein Fuß wie von selbst auf dem Pedal zur Ruhe zu setzen. Oder sich dem Schlag-Tempo anzupassen, wenn ich meine Hand im schnelleren Rhythmus bewege. „Boom - boom - boom - boom...“ Die Überkreuzbewegungen verlangen alles von mir, oder vielmehr von meinen beiden Hirnhälften ab - Schlagzeug-Üben und Hirn-Gymnastik in einem, wie praktisch.

Doch ich verhaspel mich da immer wieder - meinen zweifelhaften Blick richte ich an Klaus. „Hilfeeeee!“

„Ok, wir machen noch mal was anderes - ’We will rock you’ ist einfacher“, tröstet mich der „ups - die band“-Schlagzeuger. Mit beiden Sticks darf ich jetzt auf eine Trommel, die Tomtom, schlagen, dann auf eine kleinere. Das klappt besser, aber das lockere Schwingen im Handgelenk hab ich wohl dafür wieder vergessen. Die Koordination verläuft eher suboptimal als harmonisch, meine beiden Hirnhälften scheinen sich gerade nicht verbinden zu wollen.

Mittlerweile sind neben Uli Rentzsch und Klaus Rotering auch die weiteren Bandmitglieder zur Probe eingetroffen: Peter Funken am Bass, Stefan Bontenackels am Keyboard und Michael Classen an der Gitarre.

Jetzt kann es los gehen. Die Band stimmt extra für mich „She’s a woman“ von den Beatles an. Extra langsam für meine Premiere an den Drums. Ich stimme mit ein und trete den Beat - wieder zu wenig Schmackes auf dem Fußpedal! Ich versuche mich in die Melodie und den Rhythmus mit Tritt und Schlag zu integrieren. „Das Schlagzeug ist ein konditionsintensives Instrument“, erinnere ich mich an den Satz von Klaus von vorhin. Das spüre ich so langsam - mein rechter Fuß wird müde - „boom - boom - boom.“ Auch wenn ich öfter mal wieder aus dem Tritt komme, spielen die erfahrenen Musiker unbeirrt weiter. Danke! Als die letzten Akkorde verklingen beende auch ich meinen Schlagzeug-Versuch.

Von dem Weg, ein ziemlich guter Drummer zu werden, bin ich weit entfernt. Mein persönliches Fazit: Mein musikalisches Talent hält sich in Grenzen und reicht wohl doch nur für die Triangel. Ich bleib lieber doch beim Schreiben...

(Report Anzeigenblatt)