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Extra-Tipp Redakteurin Christina Reineke stattete dem Tiergarten einen Besuch ab
Von Mehlwürmern und Küken

Mö. „Ene Besuch em Zoo, oh, oh, oh, oh. Nä wat es dat schön“ - die Zeilen des bekannten Liedes im Ohr machte sich unsere Redakteurin Christina Reineke auf in den Tiergarten Mönchengladbach, um den Tierpflegern ein bisschen unter die Arme zu greifen und über die Schulter zu schauen. Von Christina Reineke

nchengladbach.

Mehlwürmer? Und die leben noch? Zuerst bin ich etwas skeptisch als Tierpflegerin Sandra Mäder mir die Blechtasse gefüllt mit den kleinen glitschigen Tierchen reicht, doch als ich bemerke, wie gut diese bei den Kapuzineraffen ankommen, verliere ich meine Scheu. Von jetzt auf gleich bin ich der Star im Gehege und die Äffchen haben es ganz schön eilig mir die anscheinend schmackhaften Würmer aus der Hand zu klauen. Der Chef der Truppe kann gar nicht genug bekommen. Beide Hände voll, muss er mir gezwungener Maßen direkt aus der Hand fressen.

„Bei Kapuzineraffen muss man schon aufpassen, die sind frech und ziehen auch gerne schon mal an den Haaren. Aber so tun sie einem nichts“, sagt Mäder. Täglich dreht sie als Teilzeitkraft ihre Runden im Tierpark - hält die Ställe sauber, gibt den Tieren Futter und auch mal kleine Leckereien. „Kapuziner sind die Schweine unter den Affen. Sie essen eigentlich alles. Hier bekommen sie Obst und Gemüse und einmal die Woche auch Küken. Radieschen mögen sie nicht. Das habe ich mal ausprobiert und als Dank haben sie mich damit beworfen.“

Vor der Fütterung der Raubtiere hieß es auch für mich ein bisschen mit anpacken und Fenster putzen, während Sandra Mäder das Gehege ordentlich durchfegt. Die kleinen Affen sind nämlich ganz schöne Chaoten. Einmal mit dem extra langen Schrubber über die Scheiben und dann alles abziehen - sieht fast aus wie neu. Über die etwas nass gewordenen Stellen legen wir dann trockenes Heu und weiter geht’s.

Die Nasenbären schlafen noch, als wir sie besuchen kommen, doch ein guter Trick zum Anlocken ist schnell gefunden: Weintrauben! Etwas misstrauisch gucken uns die beiden an - Fotografen und Redakteure sehen sie schließlich nicht jeden Tag. Nach den ersten Weintrauben läuft es aber ganz gut und Tierpflegerin Mäder bekommt noch eine kostenlose Handmassage obendrauf. „Ja, das machen die Nasenbären gerne. Für sie bedeutet es, dass sie einen putzen. Man ist danach zwar meist dreckiger als vorher, aber sie meinen es gut“, lacht sie. Insgesamt arbeiten acht Tierpfleger als Voll- und Teilzeitkräfte im Tiergarten in Odenkirchen am Pixbusch. Eigentlich hat jeder so seine Tiere und Gehege um die er sich auf der Tour kümmert, aber man packt auch bei den anderen mit an, wenn mal Hilfe gebraucht wird. Etwa 500 verschiedene Tierarten leben hier. Neu unter ihnen ist der Europäische Nerz - der bislang einzige seiner Art im Mönchengladbacher Tiergarten. Im neuen, extra für ihn angelegten Gehege gehen wir ihn besuchen - bei dem Anblick der kleinen Küken wird mir ein wenig mulmig, der Nerz hingegen freut sich und bringt sie alle flux in sein Häuschen. Alles bunkern für die Wintertage. Ob die Tiere zu Weihnachten auch besondere Mahlzeiten bekommen, frage ich, doch Mäder wiegelt ab: „Wenn du meinst, dass sie einen Christstollen oder sowas bekommen, dann nein. Aber wir geben den Tieren regelmäßig etwas Besonderes. Dann verpacken wir das Futter zum Beispiel so, dass es für sie eine Herausforderung ist daran zu kommen.“

Und was ist mit Silvester? Macht den Tieren das ganze „Rumgeknalle“ samt Feuerwerk nichts aus? Anscheinend nicht. Laut Tiergartenleiterin Dr. Katrin Ernst haben sie sich schon daran gewöhnt: „Es wird ja auch nicht erst um 24 Uhr geböllert. Das geht ja oft Tage vorher schon los. Da sind die Tiere schon recht entspannt. Trotzdem kommen sie in der Silvesternacht nicht in die Außengehege, falls doch mal eine Rakete hier landet.“

(Report Anzeigenblatt)