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Verbraucherberatung gibt Tipps für Stromanbieter-Wechsler/ Wer keinen Computer hat, kann sich beraten lassen
Vorsicht bei „zu guten“ Schnäppchen

Mönchengladbach (um). Den Stromanbieter wechseln, das geht nicht mehr „mal so eben“, dafür ist die Vielfalt der Anbieter viel zu groß und unübersichtlich geworden. Die Verbraucherberatung hat im Rahmen der landesweiten Aktion „Stromtarif wechseln - aber sicher!“ ein paar Tipps auf Lager, wie man es vermeiden kann, Anbietern mit fragwürdigen Geschäftspraktiken auf den Leim zu gehen. Von Ulrike Mooz

Wer an einem Samstag - noch unangemeldet - in seine neue Wohnung zieht und das Licht an macht, hat per Lichtschalter einen Vertrag abgeschlossen. „Das ist mit den regionalen Versorgern so geregelt, damit nicht jemand ohne Strom in seiner Wohnung sitzt“, sagt Uschi Winbeck, Expertin für Energierecht und Beraterin bei der Verbraucherberatung Mönchengladbach. Diese so genannte Grundversorgung sei aber nicht die günstigste, schließlich gehe der Versorger das Risiko ein, Menschen deren Namen er noch nicht einmal hat, unbesehen zu beliefern. Aus dieser Grundversorgung solle man also so schnell wie möglich wieder aussteigen, um einen Tarifvertrag abzuschließen, so Winbeck. Das könne man entweder bei seinem Stromversorger vor Ort - in Mönchengladbach ist das die NEW - oder man sucht sich aus dem inzwischen riesigen Angebot der Stromanbieter den passenden für sich aus. Das erfordere aber einiges an Einsatz. „Ich bin nicht der Meinung, dass jeder in der Lage ist, das Thema in einer halben Stunde zu stemmen“, sagt Energieexpertin Winbeck, vorausgesetzt der Kunde könne überhaupt mit dem Computer umgehen.

Allein die NEW biete mindestens vier verschiedene Produkte an, so Winbeck. Um eine Übersicht über die Drittanbieter zu bekommen, sei es sinnvoll, auf ein Vergleichsportal im Internet zu gehen. Natürlich seien die in der Regel auch nicht wirklich neutral, da sie sich von den gelisteten Anbietern dafür bezahlen ließen, auf der Seite aufgeführt zu sein. „Das finde ich aber durchaus legitim, denn es muss ja jemanden geben, der das Portal pflegt“, sagt Uschi Winbeck. Der aktuelle Flyer der Verbraucherberatung nennt als Beispiele die Portale verivox.de, check24. de, toptarif.de und mut-zum-wechseln.de

In den Vergleichsportalen gelte es jetzt, ganz genau hin zu schauen. „Vorsicht ist geboten bei Angeboten mit Vorkasse“, sagt Beraterin Winbeck. Da spare man zwar mitunter viel. Gehe der Anbieter aber pleite, wie seinerzeit „Teldafax“, dann sei das Geld weg. „Das entspricht auch nicht unserem Grundsatz ’erst die Ware, dann das Geld’“, sagt Hanna Masuhr, Leiterin der Verbraucherberatung. Jüngere Leute, die mit dem Prepaid-Gedanken aufgewachsen seien, hätten da oft aber weniger Probleme mit. Grundsätzlich sei Vorkasse aber nicht im Sinne des Verbrauchers.

Genau hingucken sollte man auch bei so genannten „Paketen“, etwa 5 000 Kilowattstunden zu einem Schnäppchenpreis. Liege der Kunde mit seinem Verbrauch um einiges drunter, so die Verbraucherberaterinnen, so fühle er sich mitunter bewogen, beim Stromverbrauch nochmal so richtig zu klotzen, „damit es sich lohnt“. Das entspräche nicht gerade dem Energiespargedanken. Läge er umgekehrt über den 5 000 Kilowattstunden, dann werde es schnell richtig teuer. „Das ist was für Leute, die alles unter Kontrolle haben und ständig ihren Stromzähler überwachen“, so Winbeck.

Problematisch sind nach Meinung der Verbraucherschützer auch lange Vertragslaufzeiten, weil der Markt so dynamisch sei. Länger als zwölf Monate solle eine Laufzeit ihrer Meinung nach nicht sein.

Auch Preisgarantien seien oft nur auf den ersten Blick Schnäppchen. Denn damit schließe der Kunde eine Wette ab. Steige der Strompreis, sei die Wette gewonnen und der Kunde fein raus, falle der Preis, habe er Pech gehabt. Die Preisgarantie beziehe sich außerdem sowieso nur auf die Beschaffungssteuern und die machten an den Gesamtkosten nur rund ein Viertel aus.

Auch der Bonus bei Vertragsabschluss sei oft an Bedingungen geknüpft, mit denen sich der Anbieter das „Geschenk“ durch die Hintertür wieder rein hole. Hier heißt es, wie in allen Fällen: Genau das Kleingedruckte lesen.

Wer Wert auf den Umweltaspekt lege, solle sich informieren, ob der Stromanbieter über eine entsprechende Zertifizierung verfüge. Die gängigen Siegel sind „ok Power“, „Grüner Strom Label“ und „Eco Top Ten“.

Wem das alles zu viel ist oder wer einfach keinen Computer hat und niemanden, der ihm hilft, der kann sich bei der Verbraucherberatung unter die Arme greifen lassen.

(Report Anzeigenblatt)