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Was sie tun, tun sie gerne und gut

Was sie tun, tun sie gerne und gut
Dr. Peter Janßen (links) und Ronald Hopp im Stadt  Spiegel-Gespräch. Sie widmen sich dem weitverbreiteten Problem des „funktionalen Analphabetismus“. FOTO: cs
Korschenbroich/M’gladbach (cs). Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können, gibt es mehr als man denkt – auch in vielen Unternehmen. Ihnen zu helfen hat sich jetzt ein neues Projekt zur Aufgabe gemacht. Von Christoph Sochart

Rund 7,5 Millionen in Deutschland, davon 1,5 Millionen in Nordrhein-Westfalen, können zwar einzelne Sätze lesen und schreiben, jedoch keine zusammenhängenden Texte verstehen oder selbst verfassen. Sie gelten damit als funktionale Analphabeten. Mehr als vier Millionen von ihnen sind erwerbstätig. „Es wäre ein kleines Wunder, gäbe es in Ihrem Unternehmen keinen Analphabeten“, sagt Dr. Peter Janßen, Geschäftsführer beim Bildungswerk NRW der Arbeitgeberverbände (BWNRW) in Düsseldorf.

„Dies verdeutlicht den Handlungsbedarf in diesem Bildungsbereich. Wichtig ist insbesondere, arbeitsplatznahe Grundbildungsangebote stärker in den Blick zu nehmen“, betont Ronald Hopp von der Unternehmerschaft, der gemeinsam mit Janßen jetzt ein Gespräch mit dem Stadt Spiegel führte. Diese könnten einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten, indem sie die Beschäftigungsfähigkeit Geringqualifizierter verbessern.

Janßen: „In der Regel fallen funktionale Analphabeten im Unternehmen nicht auf. Sie sind nett und hilfsbereit. Sie sind Teamplayer und haben gute soziale Kompetenzen, bloß: Sie können nur einzelne Sätze lesen und verstehen. Sie fallen erst auf, wenn sich eine schriftliche Bedienungsanleitung ändert und sie diese nicht verstehen.“ Funktionale Analphabeten lehnen auch oft Beförderungen oder Weiterbildungen (die zu einer Beförderung führen könnten) ab. Das, was sie gerade tun, dies tun sie gerne und gut.

Janßen und Hopp ist es wichtig, solche Analphabeten im Betrieb zu entdecken und sie zu unterstützen, denn: Bleiben sie unbekannt, könnten vielleicht auch schlimme Fehler und schwere Unfälle passieren, falls Handlungsanleitungen oder Sicherheitsbestimmungen weder gelesen, noch verstanden werden könnten. Deshalb startet das Bildungswerk NRW der Arbeitgeberverbände mit finanzieller Unterstützung des Europäischen Sozialfonds (ESF) und der Landesregierung Nordrhein-Westfalen das Pilot-Projekt „Alphabetisierung und berufsbezogene Grundbildung in Betrieben in NRW initiieren“. Ziel dieses Projektes ist es, Verbände und Unternehmen beim Umgang mit dem Phänomen des funktionalen Analphabetismus bedarfsgerecht zu beraten und zu unterstützen.

Janßen: „Im Rahmen des Projektes nutzen wir die in diesem Bildungsbereich vorhandenen Kompetenzen und stellen uns den Unternehmen als Ansprechpartner zum Thema „Berufsbezogene Grundbildung“ zur Verfügung und vermitteln entsprechende Experten“. Außerdem ist es geplant, ein Infopaket zu schnüren und Unterstützungsangeboten für Unternehmen mit einem entsprechenden Bedarf zu entwickeln. Alle Informationen gibt es unter http://grundbildung.nrw.

(StadtSpiegel)