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Weihnachten: „Gottes Liebe ist das Wichtigste“

Weihnachten: „Gottes Liebe ist das Wichtigste“
Ex-Pfarrer Hans-Ulrich Rosocha hat die Liebe zum Tuba-Spiel entdeckt. Für den Extra-Tipp spricht er über den Sinn des Weihnachtsfestes. FOTO: Bert Stevens
Dem Weihnachtsstress entsagen, den Sinn des Weihnachtsfestes überdenken: Der ehemalige Pfarrer der Martin Luther-Kirchengemeinde, Hans-Ulrich Rosocha, gibt dazu treffende Denkanstöße... Von Bert Stevens

Herr Rosocha, das Weihnachtsfest steht vor der Haustür. Ist es noch ein Fest, wie Sie es sich vorstellen und wünschen?

Ich war 40 Jahre lang als Vikar, Pastor und Pfarrer im kirchlichen Dienst tätig, und Weihnachten war für mich trotz der zusätzlichen beruflichen Aufgaben immer das schönste Fest des Jahres und ist es noch heute. Ich stelle mir Weihnachten vor als Fest der Liebe und wünsche mir, dass gerade zu Weihnachten die Menschen ein wenig davon spüren, dass die Liebe, die von Gott kommt, das Wichtigste im menschlichen Leben ist.

„Was für Geschenke kaufe ich?“, diese Frage bestimmt weitgehend die Adventszeit. Die Menschen befinden sich oftmals regelrecht im Kaufrausch. Sehen Sie das auch so?

Ja, das beobachte ich bei vielen Menschen und finde es schade, denn eigentlich wollen die Menschen sich ja mit ihren Geschenken gegenseitig Freude machen, weil der eigentliche Sinn von Weihnachten darin besteht, dass Gott uns eine ganz große Freude machen wollte, indem er uns in dem Kind von Bethlehem seinen Sohn schenkte. Weil wir Menschen uns über dieses Gottesgeschenk freuen, wollen wir diese Freude an unsere Mitmenschen weitergeben, indem wir sie auch beschenken. Das ist eigentlich der Sinn des Schenkens. Dass das Ganze dann in einen Kauf- und Geschenkerausch ausartet, ist natürlich nicht im Sinn des Erfinders und wirklich schade.

Diese „Heilige Zeit“, wie man sie auch bezeichnet, könnte doch viel besinnlicher sein, oder nicht?

Das ist ganz sicher so, aber dazu gehört auch, dass sich die Menschen wieder an den eigentlichen Sinn von Weihnachten erinnern und sich selbst nicht mehr so unter Druck setzen, wie sie das oft tun. Man könnte ja gemütlich mit der Familie zusammenkommen oder gemeinsam eines der vielen Weihnachtskonzerte besuchen – ganz zu schweigen vom Besuch eines besinnlichen Gottesdienstes. Man könnte aber auch selbst überlegen, welchen Sinn denn sein eigenes Leben hat und sich fragen: „Ist die Liebe das Wichtigste für mich und mein Leben oder eher der Beruf oder das Geld oder kenne ich den Sinn meines Lebens gar nicht mehr?“

Und wie könnten die Menschen zu einer „neuen“ Besinnlichkeit finden?

Das ist eine sehr gute Frage, die den Kern von Weihnachten trifft. Denn diese Frage nach der Besinnlichkeit ist nicht zu trennen von der Frage nach dem Sinn des Lebens. Wenn ich mich einfach mal ruhig hinsetze und ganz ehrlich zu mir bin und mich frage: „Hör mal, was hat dein Leben denn überhaupt für einen Sinn?“ und wenn ich auf diese Frage keine Antwort weiß, dann läuft bei mir doch etwas schief. Denn einfach nur so in den Tag hineinleben, macht keinen Sinn. Da wird man auf Dauer innerlich leer und kommt irgendwann in eine große Krise. Und wenn einen Belastungen wie Krankheit, Schwierigkeiten in der Beziehung oder im Beruf überfallen, dann kann man sie überhaupt nicht mehr bewältigen, weil man in seinem Leben keine Mitte, keinen Sinn hat, der einem Kraft gibt, mit Lebensproblemen fertig zu werden. Wenn man aber für sein Leben einen Sinn findet, dann ist es auch nicht schwierig, zu einer neuen Besinnlichkeit zu finden, denn die ergibt sich von selbst aus dem Sinn, der seinem Leben dann eine Mitte und damit auch Halt und innere Ruhe schenkt.

Kann die Kirche den eigentlichen biblischen Gedanken der Weihnachtszeit überhaupt noch vermitteln?

Natürlich kann sie das und sie tut es auch. Ob man auf sie hört, ist eine andere Frage. Es ist einfach überwältigend, wie viel Gutes in den Kirchen von unzähligen Menschen getan wird und wie sehr sie alle dazu beitragen, dass die Weihnachtsbotschaft der Liebe Gottes in seinem Sohn Jesus Christus nicht nur weitergesagt, sondern auch gelebt wird. Liebe ist etwas ganz Herrliches und gibt dem menschlichen Leben einen tiefen, mit Dankbarkeit und Freude erfüllenden Sinn – aber nicht nur zu Weihnachten, sondern für das ganze Leben.

Zu Weihnachten sind die Kirchen meistens voll. Warum füllen eigentlich nur noch solche Festtage unsere Gotteshäuser?

Ich freue mich als Pfarrer immer sehr darüber, wenn die Kirche zu Weihnachten voll ist, denn da kann ich allen, die ich sonst nicht erreiche, die Botschaft von der Liebe Gottes in dem Kind in der Krippe ins Herz predigen und hoffe, dass alle, die es hören, die frohe Botschaft, das Evangelium, mitnehmen in die Weihnachtszeit, aber darüber hinaus auch in ihr eigenes Leben. Warum sie sonst so wenig kommen, weiß ich auch nicht. Wenn man überlegt, wofür man Gott dankbar sein kann und dass doch nicht alles selbstverständlich ist, dann könnte man wirklich öfter mal in die Kirche gehen, einfach um Gott zu danken.

Wie feiert der ehemalige Pfarrer der Martin Luther-Kirchengemeinde das Weihnachtsfest?

Als Teilnehmer oder Pfarrer in den verschiedensten angebotenen Weihnachtsgottesdiensten und zu Hause mit der Familie.

Mit Hans-Ulrich Rosocha sprach Extra-Tipp-Reporter Bert Stevens

(Report Anzeigenblatt)