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Wenn die Motorsäge läuft...

Wenn die Motorsäge läuft...
An der Geschwister-Scholl-Realschule wird derzeit fleißig gebaut. Vergangene Woche kam es im Zuge der Arbeiten zu Abholzungen. Inzwischen wurden auch die letzten Holzabfälle abtransportiert. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. „Baum fällt“ hieß es in der vergangenen Woche, als Mitarbeiter der Mönchengladbacher Abfall-, Grün- und Straßenbetriebe (Mags) an der Geschwister-Scholl-Realschule Abholzarbeiten durchführten. Unter anderem mussten dort zwei Linden weichen. Von Thomas Hippel

Vielerorts – so mag es manchem vorkommen– werden im Winter in Mönchengladbach Bäume gefällt. In der Redaktion des Extra-Tipp melden sich daher auch gerne mal Leser, die ihren Unmut über die ein oder andere Baumschnittaktion äußern. Grund genug, einmal bei den Verantwortlichen nachzufragen

„Es wurde ein Hang gerodet und an der Straße wurden zwei Linden gefällt“, umreißt Yvonne Tillmanns von den Mönchengladbacher Abfall-, Grün- und Straßenbetrieben (Mags) die Arbeiten, die in der vergangenen Woche auf dem Gelände der Geschwister-Scholl-Schule durchgeführt wurden. Krank seien die Bäume nicht gewesen, auch ein Sicherheitsrisiko sei von ihnen nicht ausgegangen.

„Wir haben hier im Auftrag der Stadt gehandelt“, erklärt Tillmanns. Diese habe den Auftrag zur Beseitigung der Bäume ausgeschrieben, da die aktuellen Bauarbeiten an der Schule dies erforderten. So entstünden an der Realschule derzeit eine neue Mensa, ein neuer Klassenraum, ein Parkplatz sowie ein neuer Weg.

Zumindest ein Trostpflaster hat Tillmanns aber für die Baumfreunde, sollen doch zumindest in einem gewissen Ausmaß Ersatzpflanzungen vorgenommen werden. „Drei neue Baumscheiben sind bereits angelegt worden“, so die Mags-Sprecherin, auch wenn die Zahl der neuen Bäume die der gefällten freilich nicht erreichen werde.

Während im genannten Fall Bauarbeiten die Ursache waren, sind es allerdings ansonsten häufig andere Gründe, die dazu führen, dass Mags-Mitarbeiter mit der Motorsäge anrücken. Hanno Müller, Teamleiter Baum bei den Betrieben, bestätigt den Eindruck, dass die Abholzarbeiten vor allem in den Winter fallen. Dies sei auf den Vogelschutz zurückzuführen, der laut Bundesnaturschutzgesetz von Anfang März bis Ende September einzuhalten sei. Die Ursachen, warum Bäume gefällt werden, sind laut Müller vielfältig: „Häufig liegt es daran, dass Bäume abgestorben oder von Pilzen und Fäule befallen sind, so dass sie nicht mehr bruch- oder standsicher sind.

Hinzu kommen Pflegemaßnahmen, etwa wenn dichte Baumbestände aufgelockert werden. Und dann gibt es noch die Fälle, in denen Bäume durch ihren ungünstigen Standort Gehwege, Fundamente oder auch Gasleitungen beschädigen könnten.“

Die Kritik mancher Bürger, wonach teils völlig gesunde und sicherheitstechnisch unbedenkliche Bäume gefällt würden, will Müller nicht gelten lassen. So sei es für Laien oft gar nicht zu erkennen, ob ein Baum krank sei oder ein Sicherheitsrisiko darstelle. Schließlich könne ein Pilzbefall auch versteckt im Wurzelwerk vorliegen oder ein Baum oben in der Krone bruchgefährdet sein – alles Stellen, die von Passanten nicht zu sehen seien. Und auch der hin und wieder aufkommende Vorwurf, das Fällen der Bäume sei vor allem finanziellen Interessen geschuldet, geht laut dem Teamleiter ins Leere: „Das Holz der von uns gefällten Bäume ist schon aufgrund der Risse und Faul- stellen für die Holzindustrie völlig uninteressant“, so Müller. Auch die Verarbeitung zu Hackschnitzeln rechne sich finanziell nicht.

Insgesamt ist laut Mags im Winter 2017/2018 die Fällung von über 800 Bäumen in Mönchengladbach geplant. Das Gros entfällt dabei auf Einzelbaumfällungen und die Bestandspflege, hiervon sind insgesamt 605 Bäume betroffen. Darüber hinaus stehen noch 47 für das Vorjahr geplante, aber nicht durchgeführte Fällungen an. Als umfangreichste Maßnahme – sie betrifft insgesamt 150 Bäume – schlägt die Entnahme nicht heimischer und kranker Nadelgehölze auf dem Hauptfriedhof zu Buche.

(Report Anzeigenblatt)