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Wohl dosierte Wutausbrüche

Hans-Joachim Heist ist vielen bekannt als „Gernot Hassknecht“ - der Nachrichtensprecher aus der ZDF heute Show. Extra-Tipp-Redakteur Daniel Uebber sprach mit dem „Choleriker der Nation“, der Kultstatus erreicht hat. Am 20. April tritt er in der Achim-Besgen-Halle in Schwalmtal auf. Von Daniel Uebber

Extra-Tipp: Herr Heist, Sie sind seit einigen Jahren in Ihrer Rolle als Gernot Hassknecht sozusagen „Choleriker der Nation“. Glauben Sie, man geht als Choleriker gesünder durchs Leben, als wenn man ein „tiefenentspannter“ Mensch ist?

Heist:

Das kommt ganz darauf an. Ich glaube schon, man lebt gesünder, wenn man tiefenentspannt ist. Aber man sollte auch nicht alles runterschlucken, wenn einem etwas nicht passt. Man muss seinem Ärger auch mal Luft machen. Wenn man das nicht macht, wird es gefährlich.

Wann haben Sie denn Ihrem Ärger das letzte Mal so richtig Luft gemacht?

Heist:

Über Hundebesitzer, die die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht beseitigen. Da könnte ich jedes Mal aus der Haut fahren.

Sind Sie denn privat auch ein Mensch, der sich leicht aufregt?

Heist:

Ich bin eher selten gestresst. Ich habe aber gemerkt, dass ich mich beim Autofahren mehr aufrege als früher. Ich habe das Gefühl, der Anteil der Idioten auf den Straßen hat zugenommen.

Glauben Sie, das hat etwas mit Ihrer Rolle als Gernot Hassknecht zu tun?

Heist:

Das kann schon sein, dass die Rolle in diesem Punkt auf mich abfärbt. Aber es liegt sicher auch daran, dass ich einfach viel mehr auf den Autobahnen unterwegs bin, als früher. Jetzt, während der Bühnen-Tournee, habe ich glaube ich jeden Kilometer Autobahn Deutschlands kennengelernt.

Apropos Bühnentournee. Inwiefern unterscheidet sich denn der „heute Show“-Gernot Hassknecht von dem „Live“-Gernot Hassknecht?

Heist:

Also die von 0 auf 100-Ausbrüche aus der Sendung, die gibt es auch auf der Bühne. Aber ich werde nicht zwei Stunden lang rumschreien. Das hält ja keiner aus. Das halte auch ich nicht aus. Meine Wutausbrüche setze ich wohl dosiert. Mein Programm ist ja wie ein Coaching aufgebaut: „In zwölf Schritten zum Choleriker“. Das soll eine Parodie sein auf die ganzen Life-Coaches, die „Tschacka“-rufend durch die Gegend laufen. Eins kann ich versprechen: Die Zuschauer werden mit einem gereizten Zwerchfell nach Hause gehen.

Und Sie selbst? Wie gehen Sie nach Hause? Kommen Sie nach einem Auftritt auch wieder schnell von 100 runter?

Heist:

Ja, das schon. Privat bin ich eigentlich eher der Heinz Erhardt-Typ. Gemütlich auf die Couch, dann bin ich glücklich.

(Report Anzeigenblatt)