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Wohnen mit Bibberfaktor

Wohnen mit Bibberfaktor
Wohnen in 10 Grad Zimmertemperatur. So sah es am Anfang der Woche in den LEG-Wohnungen An den Hüren 113 - 119 aus. Inzwischen läuft die Heizung wieder, aber wie lange? Die Mieter sind sauer. FOTO: Andreas Baum
Uedding. Das Hochdruckgebiet Doris sorgte diese Woche tagelang für klirrende Kälte - bei manchen nicht nur draußen. In einer ganzen Häuserzeile in Uedding war Doris auch drinnen, denn das Heizsystem der LEG-Wohnungen fällt immer wieder aus. Von Ulrike Mooz

Winterjacken an, Decken über den Beinen, Heizlüfter aufgedreht, so wurde am Dienstag bei Familie Gingter Geburtstag gefeiert - bei „kuscheligen“ 10 Grad. „Wenigstens gab es dieses Mal keine Garderobenprobleme, die Gäste haben ihre Mäntel ja alle an gelassen“, spottet Sandra Gingter-Gillessen. Wenn sie an die bevorstehende Stromrechnung denkt, wird ihr ganz anders. Mehr als einen ganzen Tag ist der Radiator durch gelaufen.

Die Gingters wohnen in der Mitte einer LEG-Häuserzeile An den Hüren in Uedding. Und seit sie zurück denken können, gab es jeden Winter Heizungsausfälle. Dann sind nicht nur die Heizkörper aus, sondern es kommt auch eisig kaltes Wasser aus der Dusche. „In diesem Winter ist es besonders schlimm“, sagt Nachbarin Cornelia Ditschi. Von Oktober bis Dezember ist die Heizung acht oder neunmal ausgefallen, zum Teil über mehrere Tage. Dann ging es Neujahr weiter und diese Woche schon wieder. Den LEG-Slogan „LEG gewohnt gut“ haben die Mieter mit Galgenhumor in „...gewohnt kalt“ umgetextet.

Die Heizung sei aus den 60-er Jahren da brauche man lange, um Ersatzteile zu besorgen - wenn es überhaupt welche gebe, haben die Mieter gehört. Ob das stimmt, wissen sie nicht. Was mit der Heizung los ist, wissen sie sowieso nicht. Es sei schwierig genug, überhaupt jemanden zu erreichen, sagen sie. Auf bis zu 45 Minuten Warteschleife muss man sich einlassen, wenn man die Hotline der LEG anruft. „Am Dienstag habe ich 20 Minuten gewartet und dann ist das Band umgesprungen, dann kam: ’Sie rufen außerhalb unserer Geschäftszeiten an’“, ärgert sich Beate Gingter.

In den Häusern 113 bis 119, die alle am selben Heizsystem hängen, wohnen alte Leute, Familien mit kleinen Kindern und auch Kranke. Cornelia Ditschi hat Pflegestufe eins und mit Zuschüssen der Krankenkasse ein barrierefreies Bad eingebaut. „Ich kann nicht einfach ausziehen. Ich bekomme ja nicht nochmal einen Badumbau finanziert“, sagt sie. Sandra Gingter-Gillessen war beim letzten Heizungsausfall mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. „Als die mich entlassen wollten, habe ich drum gebeten, noch da bleiben zu dürfen, weil es zu Hause so kalt war“, sagt sie.

Die Mieter haben endgültig die Nase voll. Beate Gingter ist mit einer Unterschriftenliste von Tür zu Tür gegangen, 22 Mieter haben unterschrieben. „Wir fordern, dass endlich etwas passiert, sonst kürzen wir die Miete“, sagt sie. Mieterhöhungen gäbe es fast jedes Jahr, „aber immer wenn was ist, ist keiner zuständig“.

Unternehmenssprecher Mischa Lenz entschuldigt sich bei den Mietern für die Unannehmlichkeiten. Man habe immer alles dafür getan, dass die Anlage in jedem Fall schnellstmöglich wieder den regulären Betrieb aufnehmen konnte, so Lenz schriftlich gegenüber dem Extra-Tipp. Dass die Anlage trotz der Reparaturen mehrfach ausgefallen sei, habe man Ende 2016 zum Anlass genommen, eine genaue Überprüfung durch Fachleute vornehmen zu lassen. Das Ergebnis sei jedoch gewesen, dass die Anlage in einem „ordentlichen Zustand“ und damit ein Austausch nicht sinnvoll sei. Die Ausfälle hätten keinen ursächlichen Zusammenhang. Die erneuten Ausfälle würden jedoch ernst genommen und es würde noch einmal gemeinsam mit den Fachleuten überlegt, was zu tun sei, um die Funktionsfähigkeit langfristig sicherzustellen. Mit Aushängen wolle man die Mieter schnellstmöglich über den aktuellen Sachstand informieren.

(Report Anzeigenblatt)