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Zornröschen hilft den Opfern

Zornröschen hilft den Opfern
Das Team von Zornröschen war auch 2017 wieder sehr aktiv im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch an Jungen und Mädchen (v. l.): Nina Tellmann, Michael Heinemann (Vorstand), Sandra Gottschalk und Sigrid Mattausch. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Ob in der Diagnostik, in der Traumaverarbeitung, bei der Prozessbegleitung oder einfach in Informations- und Beratungsangeboten für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen – der Verein Zornröschen bekämpft den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen an vielen Fronten. Auch 2017 gab es wieder genug zu tun. Von Thomas Hippel

Ein Thema, das das Team der Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen zuletzt immer häufiger beschäftigt hat, sind die sexuellen Übergriffe von Kindern und Jugendlichen untereinander. Gut ein Fünftel aller Anfragen fielen inzwischen in diesen Bereich, erzählt Diplom-Sozialpädagogin Sigrid Mattausch bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts 2017. Dastellt sich natürlich die Frage: Woher haben die Kinder diese Form der Erwachsenensexualität?

Als eine der Ursachen sieht das Pädagogen- und Therapeuten-Team von Zornröschen die diversen Zugangsmöglichkeiten, die Kinder und Jugendliche heutzutage schon früh zu entsprechenden Inhalten haben, etwa über das Internet. „Häufig spielen die Kinder, die sexuell übergriffig werden, ihre Erfahrungen mit der erwachsenen Sexualität, die sie zum Beispiel aus pornografischen Videos haben, an anderen Kindern nach“, so Mattausch.

Überhaupt gehen mit den neuen Medien viele Gefahren einher, für die das Zornröschen-Team Kinder, Eltern, Lehrer und Erzieher sensibilisieren will. „Unter Jugendlichen ist es inzwischen normal, dass im Zuge der ersten Liebschaften Nacktfotos und entsprechende Videos verschickt werden. Die Kinder werden da immer offener und freizügiger, auch weil sie immer leichter an alle möglichen Inhalte herankommen, ohne allerdings wirklich mit diesen umgehen zu können“, berichtet Heil-Pädagogin Nina Tellmann. Gleichzeitig vollziehe sich bei den Erwachsenen aber eine gegenteilige Entwicklung, würden diese doch immer konservativer werden und mit den Kindern kaum noch ins Gespräch kommen, was derartige Themen betrifft. „Hier beklagen wir einen großen Rückschritt“, sagt Tellmann.

Was für die Kinder und Jugendlichen gilt, gilt natürlich auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. Die Beratung gestalte sich hier aber schwieriger, da alles noch mal weiter runtergebrochen werden müsse. Problematisch – vor allem da Kinder und Jugendliche mit Behinderung sechs bis sieben mal häufiger Opfer von sexueller Gewalt würden, wie Zornröschen informiert. Ein gutes Zeichen sei allerdings, dass es sich mittlerweile viele Förderschulen in Mönchengladbach zur Aufgabe zur Aufgabe gemacht hätten, hier entsprechende Konzepte zu entwickeln – auch in Kooperation mit dem Verein.

Eine weitere Leistung des Vereins ist der Bereich der psychosozialen Prozessbegleitung: Hier geht es darum, den jungen Opfern beim Prozess beizustehen. „Unser Ziel ist es, den Opfern die größtmögliche Transparenz über das Strafverfahren zu geben, ihre Gefühle der Ohnmacht und der Hilflosigkeit zu bekämpfen und ihnen das Gefühl zu geben, Kontrolle zurückzugewinnen“, erklärt Diplom-Sozialwissenschaftlerin Sandra Gottschalk.

(Report Anzeigenblatt)