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Koran selbst sprechen lassen

Korschenbroich/Kaarst. Die VHS Kaarst-Korschenbroich hat in ihrer Reihe „Dialog Zukunft“ am morgigen Donnerstag, 26. März, um 20 Uhr den Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide zu Gast. Von Stefan Reinelt

Mit dem Vortrag „Islam ist Barmherzigkeit“ möchte Khorchide seinen Zuhörern das Bild eines Gottes im Islam vermitteln, der mit Liebe und Barmherzigkeit die Menschen erreichen möchte. Dieses Verständnis, das er auch mit entsprechenden Quellen belegt, vermittelt Khorchide auch in seinem gleichnamigen Buch.

Nicht verschweigen lässt sich allerdings, dass der Islam immer wieder mit Gewalt, Frauendiskriminierung und religiösen Restriktionen in Zusammenhang gebracht wird. Auch die Vorstellungen von Gott im Islam sind nicht selten durch restriktive Bilder geprägt. Zu oft, so sagt Khorchide, würden die Menschen ihre eigenen Interessen auf den Koran projizieren statt ihn selbst „sprechen zu lassen“.

Der Vortragsgast wurde 1971 in Beirut im Libanon geboren und wuchs in Saudi-Arabien auf. Weil er dort als Ausländer nicht studieren durfte, lernte er wie seine Schwester Deutsch, um hierzulande zur Universität zu gehen. Sein Weg führte ihn dann aber mit 18 Jahren nach Österreich, wo er Soziologie und per Fernstudium in Beirut islamische Theologie studierte. Vier Jahre nach seiner Immigration nahm er die österreichische Staatsbürgerschaft an. Später war er selbst Imam einer kleinen Moschee in Wien, arbeitete als islamischer Religionslehrer und bildete sie aus. Seit 2010 ist er Professor für islamische Religionspädagogik am Centrum für Religiöse Studien (CSR) der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

Seine historisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Koran sorgte zuletzt auch für Proteste von muslimischen Verbänden. In seinem Vortrag geht er auf Fragen und Aspekte ein, wie Muslime mit dem Koran umgehen, welches Bild er über Gott und seine Beziehung zum Menschen liefert und wie der Islam Europa bereichern kann.

(StadtSpiegel)