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Mit „Hepp!“ und ganz viel Herz

Mit „Hepp!“ und ganz viel Herz
Fühlt sich manchmal wie der legendäre Buttermaker, Trainer der Baseball-Bären aus der 80er-TV-Serie: Jörg Johannson beschwört den Team-Spirit der Sieben- bis Neunjährigen der RSV-Fußballjugend. FOTO: Andreas Baum
Rheydt. Sportliches Miteinander, Integration und Inklusion inbegriffen: Wir haben Jörg Johannson und die F3-Jugend des Rheydter Spielvereins besucht. Von Silvia Weise

„Gib mir ein R! Gib mir ein S!...“ Wenn die Mannschaft sich im Kreis versammelt, hat Jörg Johannson es einmal mehr geschafft: „Unser Abschiedsritual“, erklärt er. „Und egal, wie heiß es vorher zugegangen ist, hier kommen wir alle für einen Moment runter. Find’ ich immer wieder schön“, nickt er der in Richtung Umkleidekabine schwärmenden F3-Jugend des Rheydter Spielvereins hinterher.

Eineinhalb Stunden hat die sich zuvor ausgetobt, vom Staffellauf als spielerischem Aufwärmen über „alle mal im Tor gestanden“ bis zum „Cheer“-Abschluss. Dazwischen ist es nicht weniger dezibelstark zugegangen: „So eine U9 macht schon Krach“, bestätigt Jörg Johannson vergnügt. Der 52-Jährige, der die Mannschaft seit der „Pampers-Liga“ mit zwei Trainerkollegen betreut, erlebt sie nun als mehr und mehr ’gewachsenes Team’: „Langsam wird’s ernst im Spielbetrieb, die Jungs werden immer ehrgeiziger.“

Zukunftsträume hin oder her – in erster Linie geht es beim Training um den Spaß am sportlichen Miteinander. „Dribbeln, nicht schießen!“, verlangt Jörg. „Und kürzer, kürzer!“ Vorstufen zu Saisonbeginn, erklärt er: „Anfängerübungen, weil Grundlegendstes fehlt“, hat er beobachtet. Warum das so ist, weiß er auch: „Die Kinder bolzen heute nicht mehr auf der Straße so wie wir früher – wo auch? Fußball, das lernen sie hier bei uns. Und heiß sind die jetzt nach der Winterpause, Wahnsinn!“, lacht der C-Lizenz-Trainer stolz – und wird gleich darauf nachdenklich: „Wir geben hier im Verein Heimat, nicht nur fußballerisch. Das habe ich selbst in meiner Jugend erfahren. Das kann ich jetzt weitergeben.“

Der kurze Moment des Innehaltens wird jäh unterbrochen: „Jemand verletzt!“ Jörg Johannson grinst, während er mit Erste-Hilfe-Koffer zum ’Pflästerchen-Kleben’ ausrückt: „Gehört dazu. Genau wie die Schwalben... gucken sich die Jungs alles bei ihren Stars ab.“

Stichwort Stars... Jörg nickt wissend: „Zwei bis drei schaffen es laut Statistik aus solch einem Team bis in die höheren Ligen, der Rest verliert sich“, behält er den Überblick über bisweilen rabiates Gerangel – über die Namen seiner Spieler sowieso, ob sie nun Finn oder Furkan, Ismael, Ahmed, Noah oder Kerim heißen. „Wir sind international besetzt und für viele Eltern so etwas wie erweiterte Familie.“

Überhaupt habe man im Hintergrund ein „supergeiles Elternteam, allen voran Team-Managerin Cristina Sari-Alonso“, lobt der Rheydter. Auch Inklusion ist Thema: „Wir haben einen Jungen mit Hörbehinderung dabei, einen anderen mit sehr schwachen Gelenken – bei uns spielen alle mit.“ Und immer Fairplay: „Die verwalten sich selbst“, deutet Jörg Johannson aufs Turnhallen-Spielfeld. „Ohne Schiedsrichter. Alles läuft über Team-Spirit und Verantwortung füreinander.“ Und über drei Kommandos: „Hepp, Hopp und Stopp. Ein Hepp von mir, und der Blickkontkakt steht“, versichert Jörg Johannson. Was es sonst noch braucht? „Herz, ganz viel Herz“, sagt Jörg. Und wirft sich einmal mehr – ganz beherzt – ins Getümmel.

(StadtSpiegel)