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Spezielles Training zur Stärkung des Rückens
Aktiv werden – dem Rücken zuliebe

Unser Rücken trägt uns durchs Leben. Wir stellen ihn vor immer neue Herausforderungen und spüren schnell, wann er an seine Grenzen kommt. Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Mit 80 Prozent ist die häufigste Ursache für Rückenschmerzen eine zu schwache Muskulatur. Doch es gibt gute Nachrichten: "Jeder kann aktiv etwas tun, um beschwerdefrei zu werden oder zu bleiben", erklärt Dr. Martin Weiß, Facharzt für Allgemeinmedizin und Chirotherapie. "Wissenschaftliche Studien belegen, dass gezieltes Krafttraining der tiefliegenden Rückenstrecker hilft, Rückenprobleme zu reduzieren oder ganz zu beheben." Von der Redaktion

 

Vom Phänomen Rückenproblem sind Jung und Alt betroffen. Aus dem BKK-Gesundheitsreport 2013 geht hervor, dass Rückenschmerzen die meisten Fehltage bei Arbeitnehmern verursachen. Für 26,5 Prozent aller Ausfalltage sind Muskel- und Skeletterkrankungen verantwortlich. Die Hälfte davon ist auf den Rücken zurückzuführen. Je länger man arbeitet, desto mehr nimmt das Rückenleiden zu. In der Altersgruppe der 55- bis 59-Jährigen gibt es die meisten Ausfalltage im Jahr. "Durch mangelnde Bewegung und Fehlhaltungen, zum Beispiel bei sitzender oder stehender Tätigkeit, kommt es auf Dauer zu muskulären Dysbalancen", erklärt Dr. Weiß. Darüber hinaus verliert nicht genutzte Muskulatur an Kraft. Dysbalancen und Kraftverlust sind die Ursache von Störungen, die Schmerzen hervorrufen, z.B. Bandscheibenvorfälle, Blockaden oder degenerative Veränderungen mit Arthrose.  
 

Von Medikamenten über Massagen bis hin zu Spritzen – die Behandlungsmethoden bei Rückenprobleme sind vielfältig und haben doch eines gemein: Die Schmerzen kehren bei den meisten Betroffenen nach kurzer Zeit zurück. In einer Studie des BKK-Bundesverbands mit Rückenschmerzpatienten aus dem Jahr 2008 war dies bei 81 Prozent der Probanden der Fall. Selbst Operationen schaffen nur kurzfristig Linderung. "Mittel- und langfristig sind die Ergebnisse von operierten und nicht-operierten Patienten gleich", sagt Prof. Dr. med. Peter Wehling vom Zentrum für Molekulare Orthopädie in Düsseldorf, der mehr als 1.200 Publikationen zum Thema Bandscheiben-Operationen ausgewertet hat.
 

Wie es anders geht, wurde in einer Studie gezeigt, die die Abteilung für Medizinische Kräftigungstherapie unter der Leitung von Beate Lauerbach durchführte. Diese Studie wurde im European Spine Journal, der renommierten Fachzeitschrift für Rückenorthopädie, publiziert.

Lauerbach hat in einer Untersuchung mit 388 Rückenschmerzpatienten gearbeitet, die bereits eine eindeutige Indikation für eine Bandscheiben-Operation hatten. Sie ließ die Betroffenen eine Medizinische Kräftigungstherapie absolvieren. Anders als die herkömmlichen Behandlungsmethoden setzte Lauerbachs Therapie direkt an der Wurzel des Übels an: dem unzureichenden Schutz der Wirbelsäule durch ein zu schwaches Muskelkorsett. Das Ergebnis: 89 Prozent der Probanden mussten nicht operiert werden.