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„Wir sind erste Anlaufstelle“

„Wir sind erste Anlaufstelle“
Dr. Wolfgang Boventer aus Krefeld, Vorsitzender des Apothekerverbands Linker Niederrhein. FOTO: jps
Niederrhein. Mehr als 800 000 Menschen in NRW suchen täglich eine Apotheke auf. Doch mit dem wachsenden Online-Versandhandel wird das Risiko höher, dass die Wege zur nächsten Vorort-Apotheke durch Schließungen länger werden. Über das Service-Spektrum der Apotheken und die Risiken im Versandhandel haben wir mit Dr. Wolfgang Boventer, Vorsitzender des Apothekerverbands Linker Niederrhein, gesprochen. Von Jan Popp-Sewing

"Ich habe nichts Grundsätzliches gegen den Versandhandel – ich wehre mich gegen die unterschiedlichen Voraussetzungen", sagt

Dr. Wolfgang Boventer, Vorsitzender des Apothekerverbands Linker Niederrhein. Das Problem: Der in den Niederlanden ansässige Versandhandel kann sich auf den Verkauf gewinnträchtiger Produkte nach Deutschland konzentrieren. Der ganze Service, den die Apotheken bieten, von der Beratung, der Herstellung von Rezepturen nach ärztlicher Vorgabe und die Notdienste, fällt beim Versandhandel weg. Und er zahlt bei Lieferungen nach Deutschland 13 Prozent weniger Mehrwertsteuer als Apotheken für die gleichen Produkte. Dr. Boventer: "Das ist unfair".

Die Befürchtung des Apothekerverbands: Je mehr Online-Apotheken den Markt fluten, desto schwieriger werde es, gerade mit verschreibungsfreien Medikamenten Gewinne zu erwirtschaften. Doch gerade durch diese Erträge sei es den Apothekern überhaupt möglich, ihr ganzes Service-Paket anzubieten. Zum Beispiel: den Apotheken-Notdienst. Nacht für Nacht machen 4 000 Menschen in NRW davon Gebrauch.

Ein anderes Beispiel sind die von Apothekern individuell angefertigten Medikamente zum Beispiel für schwer kranke Kinder – diese können gar nicht kostendeckend produziert werden.

Viele Menschen, gerade auch ältere, nutzen das Serviceangebot der Apotheken. Beratungen zu Medikamenten, Unverträglichkeiten, Dosierungen, Nebenwirkungen, Arzt-Empfehlungen, kritisches Hinterfragen gehören bei den Apotheken zum Standard. "Wir sind die erste Anlaufstelle für viele Menschen – noch bevor sie einen Arzt aufsuchen. Und wir bringen Menschen, die nicht mehr mobil sind, dringend benötigte Medikamente per Boten bis ans Bett – in NRW rund 60 000 Mal am Tag", heißt es vom Apothekerverband

Hinzu kommt die Echtheits-Garantie. "In zertifizierten Apotheken gibt es nur Medikamente von zertifizierten Lieferanten. Beim Versandhandel wissen Sie nicht, ob Sie gerade ein Original-Medikament oder eine Fälschung in der Hand halten. Der Online-Handel bietet da einfach Raum für Missbrauch", erläutert Dr. Wolfgang Boventer. Apotheken garantieren dafür, dass Arzneimittel gekühlt transportiert werden – der Versandhandel verschickt hingegen mit der Post. Das wird etwa bei starken Schmerzmitteln, Betäubungsmitteln, Impfstoffen und Medikamenten wie Insulin entscheidend, die zwingend gekühlt werden müssen:. Alles Dinge, die ein Paketbote gar nicht bringen darf, die Apotheken aber lagern und immer vorrätig haben.

Stichwort Versorgungsqualität. In 90 Prozent der Fälle können Apotheken die Nachfrage der Kunden sofort bedienen. Ist ein Medikament mal nicht vorrätig, liegt es in der Regel zwei Stunden später parat – und kommt nicht erst in den nächsten Tagen mit dem Paketboten.

(Report Anzeigenblatt)