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Anspruch auf Unterstützung

Anspruch auf Unterstützung
Ulrike Fiebig (l.) und Iris Blenkle begleiten und betreuen Opfer schwerer Gewalt- und Sexualstraftaten. FOTO: Angela Rietdorf
Mönchengladbach. Beim Diakonischen Werk Mönchengladbach haben zwei psychosoziale Prozessbegleiterinnen ihre Arbeit aufgenommen. Von Angela Rietdorf

Sie sind Profis für emotionale Sonderlagen: Iris Blenkle und Ulrike Fiebig begleiten, betreuen und unterstützen Opfer schwerer Gewalt- und Sexualstraftaten, wenn sie besonders schutzbedürftig sind. Dies sind insbesondere Kinder und Jugendliche. Seit dem 1. Januar 2017 besteht in ein Rechtsanspruch auf psychosoziale Prozessbegleitung. Unter bestimmten Voraussetzungen können aber auch Erwachsene diese in Anspruch nehmen: wenn sie Opfer von bestimmten schweren Verbrechen geworden sind und wenn sie ihre Interessen nicht ausreichend wahrnehmen können, zum Beispiel wegen geistiger, psychischer oder körperlicher Behinderung.

Wichtig: die beiden Prozessbegleiterinnen, die eine zertifizierte Weiterbildung abgeschlossen haben, sprechen nicht über den Tathergang und führen keine rechtliche Beratung oder eine Therapie durch. "Wir agieren als neutrale Vermittlerinnen zwischen Justiz und Zeugen beziehungsweise Opfern", sagt Iris Blenkle. Die Prozessbegleiterinnen erklären die juristischen Vorgänge alters- und entwicklungsgerecht. Sie sehen sich gemeinsam mit den Betroffenen das Gerichtsgebäude an oder erläutern die Rollen von Richter, Staatsanwalt und Anwalt. Sie kümmern sich aber auch um so alltägliche Dinge wie die Frage, wie jemand überhaupt zum Gerichtsgebäude kommt. "Es geht immer auch um Alltagsstabilisierung", erklärt Ulrike Fiebig. Und sie sind bei der Verhandlung dabei und bieten Betreuung während der Wartezeiten.

Psychosoziale Prozessbegleitung stellt eine besonders intensive Form der Begleitung für schutzbedürftige Opfer von Straftaten dar und zwar vor, während und nach der Hauptverhandlung. Sie erfolgt auf Antragstellung der Betroffenen beim zuständigen Gericht. Die Kosten trägt dann nach Bewilligung die Staatskasse. Je früher die Beiordnung geschieht, desto besser. "Es ist wichtig, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen", sagt Iris Blenkle.

Die psychosoziale Prozessbegleitung bietet nicht nur den Opfern, sondern auch der Justiz Vorteile, denn Prozesse können deutlich ruhiger verlaufen, wenn die Opferzeugen nicht übermäßig gestresst und verunsichert sind. Die Aussage als solche, die dem Opfer von Gewalttaten nicht erspart werden kann, ist belastend genug.

(Report Anzeigenblatt)
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