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Brustkrebstherapie: Weg vom Gießkannenprinzip

Brustkrebstherapie: Weg vom Gießkannenprinzip
Auszeichnung für Dr. Oleg Gluz. FOTO: KH Bethesda
Mönchengladbach. Dr. Oleg Gluz, Oberarzt im Brustzentrum des Bethesda, erhält für Forschung auf dem Gebiet der Brustkrebstherapie den Junior Award der Claudia von Schilling-Stiftung. Von Angela Rietdorf

Es ist ein Preis, mit dem besonders hochkarätige Publikationen junger Wissenschaftler ausgezeichnet werden – der Junior Award der Claudia von Schilling-Stiftung. In diesem Jahr erhält Privatdozent Dr. Oleg Gluz, Wissenschaftlicher Koordinator der Westdeutschen Studiengruppe und Oberarzt des Brustzentrums Niederrhein des Ev. Krankenhauses Bethesda der Johanniter, die Ehrung – für eine Publikation der von der Studiengruppe initiierten PlanB Studie in der hochrangigen onkologischen Zeitschrift Journal of Clinical Oncology, die zuvor auch zu einer der zehn international meistzitierten Arbeiten des Jahres 2016 auf dem Gebiet der Onkologie gekürt wurde.

Das ist nicht nur eine hohe Ehre und Anerkennung wissenschaftlicher Leistung. Die Ergebnisse der Forschung, die von der Westdeutschen Studiengruppe unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Nitz in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover und der Ludwig-Maximilians-Universität in München deutschlandweit durchgeführt wird, machen Brustkrebspatientinnen auch Hoffnung auf immer individueller angepasste Therapien – auch unter ganz oder teilweisem Verzicht auf die ungeliebte Chemotherapie.

Es geht darum, möglichst früh einzuschätzen, ob eine Chemotherapie von Nöten ist und wenn ja, in welchem Umfang. Dafür wird unter anderem der genetische Fingerabdruck des Tumors eingesetzt. Im Rahmen der Studie wurde herausgefunden, welchen Stellenwert die klassische feingewebliche Diagnostik hat und welchen Stellenwert der genetische Fingerabdruck.

"Lange bekamen alle Patientinnen die gleiche Therapie", erklärt Gluz. "Wir wollen weg vom Gießkannenprinzip hin zur maßgeschneiderten Behandlung." Erste Ergebnisse weiterer aktueller Studien zeigen, dass mehr als der Hälfte der Betroffenen die Chemotherapie mit ihren Nebenwirkungen erspart bleiben kann, zum Beispiel weil die Antihormontherapie das Tumorwachstum wirksam stoppt. "Es geht um die größtmögliche Individualisierung der Therapie von Brustkrebs", sagt der jetzt Ausgezeichnete.

Damit die Behandlung passgenau ist, ist auch eine Optimierung der Diagnostik nötig. Je verlässlicher die Diagnostik, desto genauer lassen sich die nächsten Schritte sinnvoll bestimmen. "Bei einer guten Diagnostik werden häufig weiterführende Untersuchungen überflüssig", erklärt der Oberarzt. Nicht nur die Therapie, auch die Diagnostik kann sich so vom Gießkannenprinzip lösen, wenn die Qualität stimmt. Der Junior Award der Claudia von Schilling-Stiftung ist mit 10 000 Euro dotiert, die nun der Arbeit der Westdeutschen Studiengruppe zugute kommen.

(Report Anzeigenblatt)