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Die Hälfte braucht keine lange Chemo

Die Hälfte braucht keine lange Chemo
Dr. Oleg Gluz beim Brustkrebskongress in San Antonio. FOTO: Bethesda
Mönchengladbach. Eine neue Studie der Westdeutschen Studiengruppe belegt die Wirksamkeit einer verkürzten und optimierten Chemotherapie bei Brustkrebs. Von Angela Rietdorf

Eine Studie aus Mönchengladbach sorgte beim weltgrößten Brustkrebskongress in San Antonio in Texas, USA für Aufsehen: Die von der Westdeutschen Studiengruppe mit Sitz am Evangelischen Krankenhaus Bethesda der Johanniter vorgestellten Daten weisen darauf hin, dass der triple-negative Brustkrebs, eine besonders aggressive Krebsvariante, mit einer kürzeren und sanfteren Chemotherapie ebenso wirksam bekämpft werden kann.

Der triple-negative Brustkrebs macht rund 15 Prozent der Brustkrebsfälle aus, ist aber für etwa die Hälfte der von Brustkrebs verursachten Todesfälle verantwortlich. Bisher wurde vor einer Operation standardmäßig bei allen Patientinnen eine 18- bis 24-wöchige Chemotherapie durchgeführt. Eingesetzt wurde dabei eine Medikamentenkombination aus drei bis fünf Medikamenten, die mit starken Nebenwirkungen einherging. Die jetzt von Dr. Oleg Gluz, Oberarzt im Brustzentrum Niederrhein des Bethesda und wissenschaftlicher Leiter der Westdeutschen Studiengruppe, präsentierte Studie gibt Anlass zu der Hoffnung, die Patientinnen ebenso wirksam, aber ohne die sehr belastenden Nebenwirkungen behandeln zu können.

Die Daten zeigen: bei einer nur zwölfwöchigen Therapie mit einer Kombination aus einem seit längerem bekannten (Carboplatin) und einem neueren (Nab-Paclitaxel) Medikament gibt es wenig Nebenwirkungen, die Wirksamkeit ist aber annähernd so groß wie bei der bisherigen Chemotherapie. „Mit dieser optimierten Chemotherapie haben wir in der Hälfte der Zeit und mit sehr geringen Nebenwirkungen das gleiche Ergebnis erzielt wie zuvor mit der längeren“, erklärt Dr. Oleg Gluz. „Bei fast 50 Prozent der Patientinnen war kein Tumor mehr erkennbar.“ Wenn bei der nachfolgenden Operation keine Spuren des Tumors mehr zu finden sind, haben die Patientinnen, die unter diesem aggressiven Krebstyp leiden, eine exzellente Prognose.

Die Studienergebnisse fügen sich damit ein in eine Entwicklung hin zu einer stärker individuell ausgerichteten, maßgeschneiderten Behandlung:

Bei einem anderen Brustkrebstyp, dem HER2 positivem Brustkrebs, konnten die Wissenschaftler der WSG, vertreten durch Prof. Harbeck von der LMU München, einen weiteren Vortrag platzieren. Bei dieser Krebsart wurden hervorragende Ergebnisse allein durch eine antikörpergesteuerte Chemotherapie – also unter gänzlichem Verzicht auf konventionelle Chemotherapie- erzielt.

„Insgesamt gibt es in der Systemtherapie eine Entwicklung hin zu maßgeschneiderten Konzepten mit hervorragenden Ergebnissen und Reduktion der Chemotherapiekomponente“, so Prof. Nitz vom Brustzentrum Niederrhein und medizinische Leitung der WSG. Die Gruppe dankt den 340 Patientinnen aus 40 Zentren in Deutschland und natürlich insbesondere den Frauen aus Mönchengladbach und Umgebung, die als Teilnehmerinnen an der Studie diese Arbeit ermöglicht haben.

(Report Anzeigenblatt)