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Die Zukunft der Notaufnahme

Die Zukunft der Notaufnahme
Die Notaufnahme im Krankenhaus St. Franziskus wird neu organisiert. Die Leitung hat Priv.-Doz. Dr. med. Sebastian Bergrath übernommen. FOTO: Kliniken Maria Hilf
Mönchengladbach. Die steigenden Patientenzahlen erfordern nicht nur im Krankenhaus St. Franziskus ein Umdenken. Deshalb wird die Notaufnahme neu organisiert und für die Zukunft gerüstet. Von der Redaktion

Mit Priv.-Doz. Dr. med. Sebastian Bergrath haben die Klinken Maria Hilf die Leitung der Notaufnahme an der Viersener Straße 450 kompetent und erfolgsorientiert neu besetzt. Der gebürtige Aachener, zuletzt als leitender Oberarzt der Notaufnahme am Uniklinik in Aachen in verantwortlicher Tätigkeit, kennt die Anforderungen, die sich durch Notfall-Patienten ergeben. Durch seine vorhergehenden Tätigkeiten als leitender Notarzt und stellvertretender ärztlicher Rettungsdienstleiter sind ihm Prozessanforderungen an eine optimale Aufnahme eines Notfallpatienten bestens.

Zur Situation in den Notaufnahmen erklärt Dr. Sebastian, der seit wenigen Wochen die Notaufnahme als Chefarzt leitet, aktuell: „Es wird eine Steigerung von jährlich vier bis neun Prozent verzeichnet.“ Der Grund für das Wachstum: Viele Patienten gehen lieber gleich in die Notaufnahme statt erst zu ihrem Hausarzt. Entweder weil ihre Beschwerden auftreten, wenn die Praxen geschlossen sind. Oder weil sie zu schätzen wissen, dass im Krankenhaus alle technischen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen. „Aus Patientensicht ist das durchaus nachvollziehbar“, sagt Bergrath. „Aber die Krankenhäuser müssen organisatorisch darauf reagieren, wenn sie niemanden nach Hause schicken wollen.“

Genau das passiert gerade bei den Kliniken Maria Hilf: sie strukturieren die zentrale Notaufnahme um, um beiden Patientengruppen, den voraussichtlich ambulanten genauso wie den stationär aufzunehmenden, gerecht zu werden. Wartezeiten werden auch in Zukunft nicht zu vermeiden sein, aber die Prozesse sollen optimiert, die veränderten Verhaltensweisen der Patienten berücksichtigt werden. Selbstverständlich steht die Versorgung akuter Notfälle weiterhin an erster Stelle.

Um aber die Dringlichkeit der Behandlung jedes einzelnen Patienten zu erkennen, muss eine erste Risikoeinschätzung vorgenommen werden. Und zwar nicht von jungen Assistenzärzten, die noch Erfahrungen sammeln, sondern von erfahrenen Fachärzten, die schnell bewerten können, ob der Patient vermutlich stationär aufgenommen werden muss oder ambulant behandelt wird. Und die erkennen, wie rasch gehandelt und behandelt werden muss. „Wir bilden in der Zentralen Notaufnahme ein interdisziplinäres Facharztteam, das direkt Kontakt zum Patienten hat“, erklärt der Chefarzt den neu konzipierten Ansatz. Zu diesem Team gehören zum Beispiel Kardiologen, Anästhesisten und Unfallchirurgen, Experten, die gleichzeitig breit aufgestellt sind und interdisziplinär denken und arbeiten. Die Verzahnung mit den Fachabteilungen soll so noch weiter ausgebaut werden. „Das Krankenhaus Maria Hilf verfügt über Fachkliniken, die ihres gleichen suchen“, sagt Bergrath. Diese hohe fachliche Kompetenz, etwa im Bereich Neurologie, Innere Medizin oder Unfallchirurgie, soll noch stärker zum Tragen kommen, in dem – nach Einleitung der ersten Maßnahmen – die stationären Patienten strukturiert an die entsprechende Fachklinik übergeben werden.

Insgesamt werden die Abläufe verschlankt, der einzelne Patient soll weniger lange warten müssen. „Der Facharzt entscheidet, welche Diagnostik notwendig ist“, erklärt der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme. Auf den zeit- und kostenintensiven, oft wenig Nutzen bringenden diagnostischen Rundumschlag wird verzichtet. Das soll dazu beitragen, den Patienten nicht unnötig lange im Krankenhaus festzuhalten.

Die Reorganisation der Zentralen Notaufnahme fällt zusammen mit dem Umzug der bisherigen Notaufnahme an der Sandradstraße im alten Maria-Hilf-Gebäude auf das Klinikgelände an der Viersener Straße, was mit einer räumlichen Optimierung einher geht. Die Zusammenlegung ist für März 2018 geplant – bei weiterlaufendem Betrieb ist das eine echte Herausforderung. Eine Operation am offenen Herzen sozusagen.

Nach erfolgter Zusammenlegung und Umstrukturierung sehen sich die Kliniken Maria Hilf gut aufgestellt für einen weiteren wichtigen Schritt in die Zukunft – die Zertifizierung der Notaufnahme auf höchster Stufe. Zurzeit berät der Gesetzgeber über die Grundlagen für eine Zertifizierung der Notaufnahmen. Voraussichtlich wird es auf ein dreistufiges Modell hinauslaufen, bei dem die dritte Stufe unter anderem hohe Anforderungen an Abläufe, die Zahl der vorzuhaltenden Intensivbetten, die Möglichkeit, mehrere Schwerverletzte gleichzeitig zu behandeln und eine Rund-um-die-Uhr--Versorgung mit Herzkatheter, CT und MRT stellt. Diesen höchsten Zertifizierungsgrad will die Zentrale Notaufnahme des Maria Hilf erlangen. „Nur achtzig bis hundert Kliniken in Deutschland kommen für die höchste Stufe in Frage und ich denke, dass das Maria Hilf gute Chancen hat, dabei zu sein“, stellt Chefarzt Dr. Sebastian Bergrath fest.

(Report Anzeigenblatt)