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Ein Baby trotz Endometriose

Ein Baby trotz Endometriose
Lotte van Amersfoort ist überglücklich mit ihrem ersten Baby Leo. FOTO: Angela Rietdorf
Mönchengladbach. Lotte van Amersfoort hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Nach einer Endometriose-OP hat sie jetzt ihr erstes Baby bekommen - mit Hilfe des Endometriosezentrums im Krankenhaus Bethesda und dem Spezialisten Privat-Dozent Dr. Darius Salehin. Von Angela Rietdorf

Heftigste Bauchschmerzen, Schmerzen im After, im Rücken, in Armen und Beinen: Lotte van Amersfoort hat eine jahrelange Leidensgeschichte hinter sich. Insbesondere während ihrer Regelblutung geht es ihr sehr schlecht, sie kann oft kaum stehen, muss sich hinlegen, um die Schmerzen ertragen zu können. Als die junge Niederländerin nach Deutschland zieht, diagnostizieren die deutschen Ärzte Endometriose, halten die Krankheit aber nicht für sehr ausgeprägt. Die schweren Schmerzattacken gehen weiter.

Eine Darmspiegelung bringt kein Ergebnis. „Der Arzt war davon überzeugt, dass es im Darm keine Endometriose geben kann“, erzählt Lotte van Amersfoort. Entsprechend dieser Überzeugung hat er auch nichts gefunden. Schließlich hört die inzwischen in Geldern lebende Niederländerin vom Endometriosezentrum im Bethesda, das vom Endometriosespezialisten PD Dr. Darius Salehin geleitet wird. „Nach einem zehnminütigen Gespräch war klar, woher alle meine Beschwerden kommen“, sagt sie.

Endometriose ist eine Krankheit, an der etwa zehn Prozent aller Frauen zwischen Pubertät und Wechseljahren leiden. Die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) bildet sich normalerweise in der Gebärmutter, baut sich auf und wird dem weiblichen Zyklus entsprechend wieder abgestoßen. Bei der Endometriose genannten Krankheit wächst Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutterhöhle: im Becken, den Eierstöcken, den Eileitern oder der Scheide. In selteneren Fällen findet sich die Wucherung aber auch in der Lunge oder im Darm wie bei Lotte van Amersfoort. Diese „Gebärmutterschleimhaut am falschen Ort“ kann auf die Veränderungen des Hormonspiegels reagieren und durchläuft ebenso einen monatlichen Zyklus wie das normale Endometrium. Das führt zu heftigen Schmerzen, aber auch zu Entzündungen und Zysten, weil das abgestoßene Gewebe nicht ausgeschieden werden kann.

Bei Lotte van Amersfoort sind der Enddarm und das Bauchfell betroffen. Eine siebenstündige Operation, die der Endometriosespezialist Salehin gemeinsam mit einem Chirurgen durchführt, ist nötig, um alle Endometrioseherde zu entfernen. „Seitdem habe ich keine Bauchschmerzen mehr“, sagt sie und man spürt die Erleichterung. Auch die Rückenschmerzen wurden von der Endometriose ausgelöst, hier ist noch Physiotherapie notwendig, damit die Beschwerden gänzlich verschwinden.

Endometriose ist häufig ein Grund für ungewollte Kinderlosigkeit, weil Verwachsungen und Entzündungen zu Unfruchtbarkeit führen. Bei Lotte van Amersfoort sprachen zusätzlich die Schmerzen und die vielen Schmerzmittel gegen eine Schwangerschaft. Direkt nach der OP aber stand der Kinderwunsch der jungen Frau ganz oben. „Ich habe direkt im Aufwachraum nach der Möglichkeit einer Schwangerschaft gefragt“, lacht sie. Und sie hat gut lachen, denn sie hält ihr erstes Kind, den kleinen Leo, in den Armen. „Die Schwangerschaft war unglaublich schön“, sagt sie. „Ich war fit, habe Sport getrieben, es ging mir sehr gut.“ Erst die erfolgreiche OP hat diese Schwangerschaft ermöglicht.

(Report Anzeigenblatt)