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Eli setzt auf Ampel-Modell

Eli setzt auf Ampel-Modell
Sehen sich mit dem Ampel-Modell auf einem guten Weg (v.l.): Thomas Fauhl (Personalleiter am Eli), Beate Welsch (Pflegedirektorin), Petra Coenen (Pflegedienstleiterin) und Prof. Dr. Wolfgang Kölfen (Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin). FOTO: Detlef Ilgner
Rheydt. Die Arbeit und die gesetzlichen Vorgaben überein zu bringen, ist eine Herausforderung, mit der sich aktuell viele Kinderkliniken sehr schwer tun. Am Elisabeth Krankenhaus in Rheydt arbeitet man inzwischen mit einem eigens entwickelten Ampelsystem – und macht damit gute Erfahrungen. Von Thomas Hippel

„Wir strukturieren das Management, um bestimmte Prozess besser ablaufen lassen zu können“, erklärt Petra Coenen. Die Pflegedienstleiterin für die Kinder- und Frauenklinik des Eli hat das Ampelsystem entwickelt, das seit Anfang 2018 die Intensivstation für Frühchen steuert. Insgesamt drei mal täglich, so sieht es das System vor, wird kommuniziert: Ist die Personalquote ausreichend? Welche Patienten können aufgenommen, welche verlegt werden?

Die Einschätzungen resultieren dann in der Zuweisung von Ampelfarben und setzen weitere Kommunikationsprozesse in Gang: Steht die Ampel auf Grün, ist genug Personal vor Ort. Wird die Situation angespannter, steht die Ampel auf Gelb und es wird intern und abteilungsübergreifend kommuniziert, was getan werden kann. Bei Rot hingegen wird auch die externe Kommunikation mit Rettungsdiensten und anderen Kliniken gesucht und geprüft, ob eine Abmeldung und Verlegung von Patienten ratsam erscheint.

Hintergrund für die Konzipierung dieses Modells sind die neuerdings sehr strikten Anforderungen, die der Gesetzgeber an die pflegerische Versorgung stellt: Die QFR (Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene) beinhaltet nicht nur eine Personaluntergrenze, sondern auch konkrete Personalvorgaben zur 1:1 Betreuung und 1:2 Betreuung, die jederzeit erfüllt werden müssen. Bei Nichterfüllung drohen ab dem 1. Januar 2020 „erlösrelevante und haftungsrechtliche Konsequenzen“. Besonders hart: Sind drei Schichten in Folge nicht erfüllt (kommt es hier also zu einer personellen Unterversorgung), gilt das ganze laufende Jahr als Nichterfüllung! Das ist natürlich mit immensen Herausforderungen für die Kliniken verbunden.

Prof. Dr. Wolfgang Kölfen, Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Eli, bezeichnet die Vorgaben des Gesetzgebers – speziell in der 1:1 Betreuung – als „zu krass“. „Im pflegerischen Alltag gibt es zum Beispiel häufig Situationen, in denen die vorgegebene 1:1 Betreuung schlichtweg unnötig ist. Dennoch müssen Mitarbeiter dann ihre Freizeit opfern, ihren Urlaub abbrechen, nur um dann festzustellen, dass sie eigentlich gar nicht wirklich gebraucht werden, sondern nur aufgrund des Versorgungsschlüssels angefordert wurden. Das ist doch reinster Mitarbeiterverschleiß“, beklagt Kölfen.

Aktuell müssen sich die Kliniken also ganz schön was einfallen lassen, um die vorgegebene Erfüllungsquote von 95 Prozent zu erreichen. Tatsächlich erfüllen rund 90 Prozent der Kliniken die Vorgaben aktuell nicht, machen die Verantwortlichen des Eli deutlich. Das in Rheydt entwickelte und angewandte Ampelsystem habe hingegen dazu geführt, dass die Quote dort aktuell mit etwa 90 Prozent so gut sei wie in keiner anderen Klinik in NRW. In der Folge sei das Rheydter Ampel-Modell inzwischen auch weit über die grenzen NRWs hinaus sehr gefragt und auch renommierte Uni-Kliniken meldeten sich immer wieder am Elisabeth-Krankenhaus, um sich über das System informieren zu lassen.

(Report Anzeigenblatt)