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OP für wund gelegene Patienten

OP für wund  gelegene Patienten
Dr. Panagiotis Theodorou ist Spezialist für Wundversorgung in der Altersmedizin. FOTO: Angela Rietdorf
Mönchengladbach. Druckgeschwüre können operativ verschlossen werden. Die Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie des Krankenhauses Bethesda bietet modernste Therapiemöglichkeiten gegen Dekubitus an. Von Angela Rietdorf

Ob in Krankenhäusern, Altenheimen oder in der häuslichen Pflege – Druckgeschwüre stellen ein großes Problem dar. Vor allem ältere, bettlägerige Menschen leiden darunter. In geriatrischen Kliniken sind schätzungsweise bis zu 30 Prozent der Patienten betroffen. Druckgeschwüre sind sehr schmerzhaft, dehnen sich bei Nichtbehandlung immer weiter in die Tiefe aus und bilden eine offene Pforte für Infektionen. Also nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen kann. „Die Wundversorgung in der Altersmedizin ist ein Schwerpunktgebiet der Plastischen Chirurgie. Sie bietet Patienten mit Druckgeschwüren modernste Therapiemöglichkeiten an, die vielen Menschen noch unbekannt sind“, erklärt Priv. Doz. Dr. Panagiotis Theodorou, Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie im Evangelischen Krankenhaus Bethesda der Johanniter.

Die gute Nachricht: Druckgeschwüre, auch „Dekubitus“ genannt, sind kein Schicksal, das einfach erlitten werden muss. Das Entstehen der Dekubitalgeschwüre lässt sich zwar in vielen Fällen nicht unbedingt vermeiden. Auch bei sorgfältiger und kompetenter Pflege können Druckgeschwüre bei bettlägerigen Patienten entstehen. „Normalerweise sorgt der Körper selbst für Entlastung der besonders druckbelasteten Regionen, indem der Mensch im Schlaf sich unbewusst dreht“, erklärt Theodorou, „bei bettlägerigen Patienten funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr.“ Dadurch werden bestimmte Stellen bei dauerhaftem Druck schlecht durchblutet. Gewebe stirbt ab. Es beginnt mit einer nicht wegdrückbaren Rötung der intakten Haut und kann bis zum vollständigen Gewebeverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen und Muskeln führen. „Es kann zu riesigen Defekten kommen“, sagt Theodorou. „Es gibt Patienten, denen fehlt eine gesamte Gesäßhälfte.“ Infektionen sind nicht selten die Folge der Druckgeschwüre, denn die Hautbarriere ist nicht mehr vorhanden. Es entstehen Eiterherde, die auch in die Blutbahn streuen und zu Knochenabszessen oder gar einer Blutvergiftung führen können.

Theodorou plädiert deshalb dafür, die plastischen Chirurgen frühzeitig beratend einzubinden. „Nicht jeder Dekubitus muss operiert werden“, erklärt der Chefarzt. „In den Anfangsstadien lässt er sich auch durch pflegerische Maßnahmen behandeln.“ Spätestens ab Grad III aber, dem kompletten Verlust der gesamten Hautschicht, ist eine OP in einem spezialisierten Zentrum sinnvoll, um eine längerfristige Verbesserung zu erreichen. Solche Wunden heilen nicht mehr von alleine ab. Die Operation erfolgt im Allgemeinen in zwei Schritten: zuerst werden die abgestorbenen Gewebeteile entfernt, drei bis vier Tage später wird die Wunde mittels plastisch-chirurgischer Gewebeübertragung verschlossen. Während der Heilungsphase nach der Operation werden die Patienten häufig in einem Mikroglaskugelbett gelagert, das die problemlose Durchblutung der frisch verschlossenen Wunde ermöglicht. Das transplantierte Gewebe kann so abheilen.

„Chronische Schmerzen sowie das Gefühl, bei besonders übelriechenden infizierten Dekubitalgeschwüren bei lebendigem Leibe zu verfaulen, belasten die Betroffenen und die Angehörigen sehr und können Angst und Depressionen auslösen“, weiß der plastische Chirurg. Das muss nicht sein. Eine Operation schafft Abhilfe und verbessert erheblich die Lebensqualität der Betroffenen.

(Report Anzeigenblatt)