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OP nur als letztes Mittel

OP nur als letztes Mittel
Schulterschmerzen können viele Ursachen haben. Orthopäde Alexej-Jian Zahedi setzt bei seiner Diagnose auf eine gründliche körperliche Untersuchung. FOTO: Albertuszentrum
Mönchengladbach. Schmerzen in den Schultern haben ihre Ursache oft in einer Fehlstatik der Wirbelsäule. Sie lassen sich mit Physiotherapie, Injektionen oder gezieltem Training bekämpfen. Von Angela Rietdorf

Das menschliche Schultergelenk ist ungemein beweglich: es kann mühelos die Arme um 360 Grad rotieren lassen. Mühelos allerdings nur, wenn alles in Ordnung ist. Weil das Gelenk aber so beweglich ist, ist es auch instabil und anfällig für Beschwerden. „Der große Oberarmkopf und die relativ kleine Gelenkpfanne gewährleisten eine große Bewegungsfreiheit, passen aber nicht eins zu eins zusammen“, erklärt Alexej-Jian Zahedi, Orthopäde am Albertuszentrum.

Die Schulter ist einerseits knöchern durch das Schlüsselbein, andererseits durch Muskeln und Bänder mit dem Rumpf verbunden. Die Muskulatur befestigt und stabilisiert die Schulter, indem sie sie mit der Halswirbelsäule und der Brustwirbelsäule verbindet. Die darüber gespannten Bänder sorgen für zusätzliche Stabilität.

Viele Menschen leiden heute unter Schulterschmerzen. Was ihnen nicht klar ist: der Grund für die Schmerzen liegt ganz woanders. „In sehr vielen Fällen ist die Ursache der Schulterschmerzen in der Wirbelsäule zu finden“, weiß Orthopäde Zahedi vom Albertuszentrum aus Erfahrung. Wenn die Wirbelsäule beispielsweise stärker nach vorn und seitlich geneigt ist, muss die Muskulatur ständig dagegen arbeiten. Es kommt zu Verspannungen und Schmerzen in der Schulter. Ein weiterer Grund können Verschleißerscheinungen in der Halswirbelsäule sein. Die Nerven, die Schulter- und Armsystem versorgen, entspringen an der Halswirbelsäule und können eingeklemmt werden. Zum Beispiel, indem eine Bandscheibe auf den Nerv drückt. Auch eine Sehnenentzündung, durch Überlastung oder Verschleiß hervorgerufen, kommt als Ursache in Frage. Die vielfältigen möglichen Gründe erfordern eine präzise Diagnose. „Das Wichtigste ist die körperliche Untersuchung“, sagt Zahedi. „Außerdem muss man sich sehr ausführlich mit dem Patienten unterhalten, um zu erkennen, woher die Störung kommen kann.“ Erst an zweiter Stelle folgen die bildgebenden Verfahren wie das Röntgen, die Sonografie oder das MRT.

Bei einem Impingement, dem Engpasssyndrom, wird heute möglichst von einer Operation abgesehen. „Früher wurde operiert, aber Studien zeigen, dass viel zu oft operiert wird“, sagt Zahedi. Die Gründe für das Impingement können im Verschleiß liegen, in einer Sehnenschwellung, einer Schleimbeutelentzündung oder in Verspannungen. Entsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten der Therapie: Injektionen der Gelenkschmiere Hyaloronsäure können genauso angezeigt sein wie gezieltes Training, Stoßwellen oder Schmerzmittel.

Eine Operation bei Schulterschmerzen lässt sich aber nicht immer umgehen. Bei einer kompletten Ruptur der Rotatorenmanschette zum Beispiel. Kleine Risse machen häufig keine Probleme, aber ein vollständiger Riss schon. Vor allem weil die Rotatorenmanschette den Oberarmkopf im Gelenk zentriert. Halten die Muskeln den Gelenkkopf nicht mehr in Stellung, reibt er sich wund. Eine Schulterarthrose ist die Folge. Deshalb wird bei einer Ruptur genäht. Allerdings nur bei jüngeren Menschen. „Ab einem gewissen Alter heilt das Gewebe schlecht“, weiß der Mediziner. „Dann kann man versuchen, durch Physiotherapie zu kompensieren. Nur bei sehr weit fortgeschrittener Arthrose wird eine Schultergelenkprothese eingesetzt.“

(Report Anzeigenblatt)