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Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen arbeiten in den Hephata-Werkstätten
Therapie durch Arbeit

Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen arbeiten in den Hephata-Werkstätten: Therapie durch Arbeit
In den Hephata-Werkstätten gibt es 60 Arbeitsplätze. 25 davon sind erst belegt.
Mönchengladbach (ari). Für Menschen, die durch Unfälle oder Krankheit Hirnschädigungen erlitten haben, bieten die Hephata-Werkstätten eine eigene Betriebsstätte mit speziellen Arbeitsangeboten an. Von Ulrike Mooz

Christoph M. ist 49 Jahre alt. Er hat eine Frau und zwei Kinder. Früher war er Architekt – bis er vor zwei Jahren einen Schlaganfall hatte. Danach war nichts mehr wie zuvor. Er überlebte den Schlaganfall, kam aber als anderer Mensch aus dem Krankenhaus nach Hause.

An viele seiner früheren Fähigkeiten konnte er sich noch erinnern, beherrschte sie aber nicht mehr. Er hatte sein Kurzzeitgedächtnis verloren, war oft orientierungslos, reizbar oder depressiv. Seine Familie war am Rande der Belastbarkeit angelangt, als er in der Hephata-Werkstatt an der Urftstraße anfing wieder zu arbeiten. "Das hat unsere Ehe gerettet", sagt M.s Frau. Mit der Arbeit bekommt sein Leben wieder eine Struktur. Christoph M. kommt abends müde, aber zufriedener nach Hause. Seine Familie ist tagsüber entlastet und gewinnt wieder Freiräume.

Seit zwei Jahren gibt es die Hephata-Werkstatt für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen an der Urftstraße in Rheydt. "Wir stoßen damit in eine Lücke", erklärt Jochen Amsink, Abteilungsleiter bei Hephata. "Erworbene Hirnschädigungen sind ein riesengroßes Thema, aber viele Betroffene fallen nach der Reha in ein Loch. Für weitere Maßnahmen ist niemand mehr zuständig." Früher wurden Menschen, die nach Schlaganfällen, Unfällen oder Drogenmissbrauch Hirnschädigungen davon getragen hatten, einfach in Altenheimen untergebracht oder in Werkstätten für Menschen mit geistiger Behinderung beschäftigt. Aber das war keine Lösung. "Es gibt viele Unterschiede", erläutert Betriebsstättenleiter Thomas Vohsen. "Bei Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen ist das alte Leben noch vorhanden. Sie haben eine Ausbildung gemacht, haben oft eine Familie. Sie erleben sehr starke Verlustgefühle." Vor allem aber müssen sie sich auf eine Hephata-Werkstatt einlassen können. Das fällt ihnen leichter, wenn sie mit Menschen zusammentreffen, die in einer ähnlichen Situation sind.

In der Werkstatt werden Aufträge aus der Industrie erledigt: es wird verpackt oder montiert, Schrauben werden abgewogen, Klammern gezählt, Päckchen verklebt. "Wir richten uns natürlich nach den Fähigkeiten der Mitarbeiter", sagt Thomas Vohsen. "Wir können Arbeiten in sehr kleine Schritte zergliedern." Die Tätigkeiten sind häufig weit von dem entfernt, was der Betroffene früher getan hat, aber sie wirken dennoch wie eine Therapie. Denn das Gehirn ist plastisch, es kann sich neu "verdrahten", kann Fähigkeiten quasi mit anderen Schaltkreisen wiederherstellen, wenn es gefordert wird. Manches kommt irgendwann zurück, keiner kann vorhersehen was und wann. "Es kann dauern, aber Arbeit wirkt sich bei jedem positiv aus", weiß Jochen Amsink.

Insgesamt stehen 60 Arbeitsplätze zur Verfügung, 25 sind jedoch erst belegt, denn die Werkstatt ist noch im Aufbau. Ein Wermutstropfen für Interessierte aus der Region: die Arbeitsplätze stehen ausschließlich Menschen zur Verfügung, die in Mönchengladbach wohnen.

(Report Anzeigenblatt)