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Wenn Therapie sinnlos wird

Wenn Therapie sinnlos wird
Gastgeber, Leiter und Referenten des hochkarätig besetzten Symposiums im Bethesda: PD Dr. Andreas Tittel , PD Dr. Johannes Grossmann, Prof. Dr. Uwe Janssens, Krankenhausdirektor Helmut Häfner, Prof. Dr. Susanne Schwalen, Prof. Dr. Horst Neuhaus, Prof. Dr. Jens Karsten Aberle. FOTO: KH Bethesda
Mönchengladbach. Im Rahmen des Jubiläumssymposiums zur 100. Fortbildungsveranstaltung im Evangelischen Johanniterkrankenhaus Bethesda sprach Prof. Dr. Janssens über Medizin am Lebensende. Von Angela Rietdorf

Wann ist eine Therapie noch sinnvoll? Muss ein Arzt immer die Maximaltherapie anwenden? Und welches Ziel soll eigentlich mit der Therapie erreicht werden? Viele Fragen, denen sich Ärzte heute stellen müssen. Und die sie sich immer wieder bewusst machen müssen, wie Prof. Dr. Uwe Janssens in seinem nachdenklichen Vortrag über Möglichkeiten und Grenzen einer sinnhaften Medizin am Ende des Lebens betonte. Der Mediziner sprach im Rahmen des Symposiums zur hundertsten Fortbildungsveranstaltung im Evangelischen Krankenhaus Bethesda der Johanniter vor rund 80 niedergelassenen oder im Krankenhausbereich tätigen Ärzten.

Seit den 1990er Jahren wird die Frage der Futility in der Medizin diskutiert. Der englische Begriff Futility ist dabei in der Medizin definiert als medizinische Intervention, die aller Voraussicht nach nicht erfolgreich ist. Oder mit anderen Worten: es geht um das Eingrenzen ausufernder Maximaltherapien. Diese Vorstellung ist vielen Menschen ein Graus: um jeden Preis und ohne Blick auf die Lebensqualität am Leben erhalten zu werden. Professor Janssens, Sprecher der Sektion Ethik der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, fordert seine Kollegen dazu auf, stets die Lebensqualität des Patienten im Auge zu behalten. Er schildert den Fall eines 82-jährigen Patienten mit zunehmender Demenz, der mit einem Herzinfarkt eingeliefert wird. Die Angehörigen äußern den Wunsch nach maximaler Therapie, aber die Mediziner müssen sich auch über die Frage der Grenzen klar sein und sie mit den Angehörigen diskutieren.

„Die Indikation zu stellen und den Nutzen und Schaden einer Therapie abzuwägen ist eine professionelle Aufgabe“, sagte er. „Aber über die Frage der Lebensqualität kann nur der Patient entscheiden.“ Mediziner müssten mit den Maßnahmen auch das Therapieziel festlegen und immer wieder überprüfen. Gegebenenfalls müsse das angestrebte Ziel auch geändert werden: von der Heilung zur Symptomkontrolle oder auch zur Sterbebegleitung.

Die Frage der Lebensqualität sei nicht objektiv zu klären, sondern könne nur gemeinsam mit dem Patienten und dessen Angehörigen beantwortet werden. „Ist eine Therapie nicht nur fachlich sinnvoll, sondern menschlich angemessen“, formuliert er die Fragen, die sich Ärzte stellen müssen. Eine eingehende ärztliche Beratung ist zeitintensiv, aber sinnvoll um Entscheidungen vorzubereiten.

Im Gespräch mit den Angehörigen müsse nicht nur nach deren Wünschen gefragt werden, sondern auch die Frage danach gestellt werden, was sich der Patient nach Meinung der Angehörigen wohl wünsche. Dann fällt eine Entscheidung meist leichter.

(Report Anzeigenblatt)