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Traurigster und schönster Tag

Traurigster und schönster Tag
Paula beim Abschied in den USA und Ankunft in Düsseldorf. FOTO: privat
Die Schülerin Paula Brocher vom Franz-Meyers-Gymnasium war mit dem Parlamentarischen Patenschaftsprogramm des Bundestages und der Hilfe von Patin Gülistan Yüksel, MdB SPD, für ein Jahr in Minnesota. Für die Extra-Tipp-Leser hat sie regelmäßig über ihre Erlebnisse geschrieben. Jetzt ist sie zurück. Von der Redaktion

Nevis / M’gladbach.

Als ich um vier Uhr morgens am 14. Juni am Flughafen stand, konnte ich nicht fassen, dass mein Austauschjahr schon vorbei sein sollte. Meine Gastmutter Heather, ihr Freund Bryan, meine Gastschwester Eleannor, mein Freund Tre und seine Mutter Shawna waren alle am Flughafen, um mich zu verabschieden.

Die Nächte zuvor konnte ich kaum schlafen, da ich Angst vor der Verabschiedung hatte. Ich habe immer wieder darüber nachgedacht, wie es wohl sein würde, am Flughafen zu stehen und alle ein letztes Mal in den Arm zu nehmen. In den letzten neun Monaten habe ich viele Freunde gewonnen und meine Gastfamilie sehr ins Herz geschlossen. Natürlich war mir bewusst, dass ich sie alle wiedersehen würde, allerdings half mir dies nicht beim Abschied. Ich wollte nicht weinen, da ich wusste, sobald ich einmal anfangen würde, würde ich nicht mehr aufhören können und außerdem alle anderen um mich herum damit anstecken. Wir haben noch ein paar letzte Bilder zusammen gemacht und dann hieß es ab durch die Sicherheitskontrolle. Ich erinnere mich noch genau daran, als der Sicherheitsmann zu mir meinte „ist dies deine Familie?“, ich mich umdrehte, in traurige Gesichter blickte, mich wieder zurück drehte und lächelte. „Ja, ja das ist sie“. Es ist das wunderschönste und zugleich schlimmste Gefühl, „Familie“ und Freunde an zwei Orten, die Tausende von Kilometern entfernt voneinander liegen, zu haben. Der Sicherheitsmann sagte mir, dass ich meiner Familie noch einmal tschüss sagen dürfte und das ließ ich mir nicht zweimal sagen.

Ich umarmte meine Gastmutter zuerst und als sie anfing zu weinen, fingen auch ich und meine Gastschwester an zu weinen. Es war einer der schlimmsten Momente, die ich jemals erlebt habe. Doch als ich dann im Flugzeug saß und auf meine zweite Heimat hinabblickte, musste ich lächeln, denn niemand kann mir diese schönen Erinnerungen jemals nehmen. Und die Freundschaften, die ich hier geschlossen habe, werde ich hoffentlich auch niemals verlieren.

In Washington D.C. habe ich dann alle anderen Austauschschüler aus Deutschland wiedergetroffen. Wir waren alle sehr traurig, alles hinter uns lassen zu müssen. Als wir am nächsten Tag am Flughafen in D.C. standen, wurden einige schon von ihrer Familie vor Ort abgeholt und dann konnte auch ich es kaum erwarten, meine Familie und Freunde Zuhause wiederzusehen. Den ganzen Flug zurück stieg meine Vorfreude. Als ich sie dann endlich in Düsseldorf am Flughafen in die Arme schließen konnten, flossen auch dort ein paar Tränen, dieses Mal aber vor Freude. Zuhause angekommen, erwartete mich mein Hund, den ich sehr vermisst hatte und eine riesige „Welcome Home“-Torte.

Ich muss gestehen, diese zwei Tage waren die schlimmsten und schönsten Tage in meinem ganzen Leben. Man kann die Gefühle, die man in diesem Moment erlebt, nur sehr schwer beschreiben. Aber wenn ich eins weiß: All dies, all die Trauer und Freude, waren es wert und wenn ich die Chance hätte, würde ich es definitiv noch einmal machen! Die Möglichkeit, ein Schuljahr in den USA zu erleben, war einmalig. Danke an meine Patin Frau Yüksel und an den Deutschen Bundestag, die dies ermöglicht haben! Die Erfahrungen, die ich gemacht und die Menschen, die ich kenne

ngelernt habe, möchte ich um nichts in der Welt missen.

Eure Paula

(Report Anzeigenblatt)