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„Ich stehe vor dem Nichts“

„Ich stehe vor dem Nichts“
Markus Siles in seiner Noch-Wohnung. Am 3. Juni muss er aufgrund einer Räumungsklage raus. FOTO: David Friederichs
Mönchengladbach. Am 3. Juni muss Markus Siles seine Wohnung verlassen. Grund dafür ist eine Räumungsklage der Hausverwaltung. Weil das Arbeitsamt seine Miete über einen längeren Zeitraum nicht zahlte, belaufen sich die Rückstände auf 5 000 Euro. Jetzt weiß der 28-Jährige nicht mehr weiter. Von David Friederichs

Markus Siles ist sicherlich nicht völlig unschuldig an seiner aktuellen Situation. Fehler hat er gemacht, das sieht er ein - und doch sieht er sich als Opfer.

Alles fing an, als er vor knapp vier Jahren seine Wohnung auf der Fringsstraße bezog. Mit Einverständnis des Jobcenters unterschrieb er einen Mietvertrag, die Miete wurde pünktlich von Seite des Jobcenters überwiesen. Sogar ein Darlehen für Möbel wurde ihm gewährt. Doch statt neue Möbel zu kaufen, nutzte Siles das Geld, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. „Ich brauchte das Geld, um mich zu versorgen, mir Essen zu kaufen“, sagt der 28-Jährige. Außer einer Matratze und ein paar Decken war fast nichts in seiner Wohnung.

„Irgendwann bekam ich Nachricht des Jobcenters, denen sei zu Ohren gekommen, dass ich gar nicht in der Wohnung wohne“, so Siles. Mittlerweile hatten sich die Eigentümerverhältnisse geändert, eine Hausverwaltung war im Einsatz. Um dem Verdacht nachzugehen, kamen zwei Außendienstmitarbeiter des Jobcenters, um die Wohnung zu inspizieren. „Sie haben mir auch nicht geglaubt, dass ich in der Wohnung wohnen würde“, so Siles. Die Folge: Die Miete wurde fortan nicht mehr gezahlt, auch das Darlehen für die Möbel wurde zurückgefordert. Und damit handelte das Jobcenter rein rechtlich nicht falsch. Denn wenn erkennbar ist, dass der Lebensmittelpunkt nicht die Wohnung ist, darf die Miete einbehalten werden.

Mit Hilfe eines Anwalts schaffte es Siles zwar, nach einer gewissen Zeit eine Mietfortzahlung zu erwirken, auf den Mietrückständen von mittlerweile fast 5 000 Euro blieb Siles aber sitzen. Da er diese aber nicht zurückzahlen konnte, reichte die Hausverwaltung Räumungsklage ein. „Vor Gericht hat mich mein Anwalt dann auch noch im Stich gelassen“, sagt Siles.

Zum 3. Juni nun soll er aus der Wohnung raus. Wenn er keinen Unterstellplatz für seine Sachen findet, die er sich mittlerweile besorgen und ersparen konnte, werden diese wohl entsorgt. „Dann stehe ich wieder vor dem Nichts“, so ein deprimierte Markus Siles. Auch ein Job hätte er nach eigenen Angaben in Aussicht, doch ohne Wohnung würde sich das auch wieder zerschlagen.

(Report Anzeigenblatt)