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Die Last der Schulden lindern

Die Last der Schulden lindern
Sie helfen Schuldnern: (v.l.) Jutte Lamertz, Wolfgang Kuhlen, Karin Fuhrmann-Dally, Claudia Bredt und Claudia Thoma. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Arbeitslosigkeit, Trennung oder falsches Konsumverhalten - die Gründe für eine Überschuldung können vielfältig sein. In den meisten Fällen hilft nur noch eine Privatinsolvenz. Hilfe bietet die Schuldnerberatung Mönchengladbach. Von David Friederichs

Meist fängt es harmlos an. Am Ende des Monats ist das Konto in den Miesen, doch das Gehalt kommt und alles scheint wieder gut. Schleichend aber rutscht man immer weiter in den Dispo, bis irgendwann das Gehalt nicht mehr ausreicht, um diesen zu decken. Überschuldung nennt man das in der Fachsprache, und erst dann erkennen viele, dass sie der Lage nicht mehr Herr werden und Hilfe brauchen. Der Überblick, an welchen Stellen man noch offene Rechnungen zu begleichen hat, geht verloren, die Post wird am besten schon gar nicht mehr geöffnet.

Um einen Ausweg zu finden, lohnt ein Gang zur Schuldnerberatung Mönchengladbach. 2 979 Klienten, wie sie Beratungsleiterin Karin Fuhrmann-Dally nennt, waren es im Jahr 2015, die beraten und unterstützt wurden.

Der Einstieg ist dabei für alle gleich: Zu Beginn gibt es ein Gruppengespräch, das wöchentlich angeboten wird, in dem bis zu 20 Personen in einfachen Worten erklärt wird, welche Möglichkeiten es gibt, um aus der Verschuldung heraus zu kommen. „Im Anschluss bieten wir innerhalb der nächsten zwei Wochen ein Einzelgespräch an“, erklärt Fuhrmann-Dally. Denn gerade die zeitliche Komponente spielt eine wichtige Rolle. Vor zehn Jahren hatten Schuldner noch bis zu vier Monate auf ein Einzelgespräch warten müssen, „aber diese langen Wartezeiten sind kontraproduktiv“, sagt die Leiterin. Denn den Motivationsschub nach dem ersten Gang müsse man nutzen. Daher wurde sowohl bei den Beratungskräften als auch in der Verwaltung personell aufgestockt.

Der wichtigste und erste Schritt ist immer die Einrichtung eines Pfändungsschutzkontos ohne Dispo, um zumindest Geld für die Grundsicherung zu haben. Nach der ersten Einzelberatung steht dennoch in 80 Prozent der Fälle fest, dass der einzige Weg aus den Schulden der Antrag auf ein Privatinsolvenzverfahren ist. „Für uns bedeutet das, dass wir über sechs Jahre hinweg in unregelmäßigen Abständen die Klienten beraten und bei Fragen bereitstehen“, erklärt Fuhrmann-Dally. Nur rund 20 Prozent gehen in die Schuldnerberatung, die allerdings weit aufwendiger ist. Zunächst müssen alle Gläubiger ausfindig gemacht werden, was bei oftmals mehr als 20 nicht so einfach ist. „Nicht alle Gläubiger sind durch eine Schufa-Abfrage ausfindig zu machen, viele Rechnungen und Mahnungen sind aus Verzweiflung weggeworfen worden, anderes wird einfach verdrängt.“ Erst wenn alle Gläubiger feststehen, kann über Ratenzahlungen verhandelt werden. Mindestens drei Monate lang findet eine 14-tägige Beratung statt, oftmals auch länger.

Schulden sind kein Problem von Männern oder Frauen, jung oder alt, sondern sie ziehen sich durch. Besondere Sorgen macht Fuhrmann-Dally dabei die abnehmende Moral, Schulden abzahlen zu wollen, und auch das Internetzeitalter und die Möglichkeit, alles mit Karte zahlen zu können, lassen viele einen Überblick über die eigene Kontosituation mehr und mehr aus den Augen verlieren.

Die gesamte Beratung und Hilfe der Schuldnerberatung Mönchengladbach, die durch die Stadt, das Land und den Sparkassenfonds finanziert wird, ist übrigens kostenlos.

(Report Anzeigenblatt)