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Die Lecker-Schmecker

Die Lecker-Schmecker
Die einzelnen Backschritte "lesen" die Lecker-Schmecker aus dem Rezeptbuch ab. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Im Familienzentrum Flohkiste stehen lebenspraktische Fähigkeiten auf dem Plan. Gesundes Essen zubereiten gehört auch dazu. Extra-Tipp hat den fünfjährigen „Lecker-Schmeckern“ beim Schwarzbrot backen über die Schulter geschaut. Von Ulrike Mooz

Mit konzentriertem Gesichtsausdruck hat Kassandra (5) vier Tassen Roggenkörner erst abgemessen und dann vorsichtig in die Schütte der Getreidemühle gegeben. Sie gießt die Schütte so voll, dass ein kleiner Hügel entsteht und am besten niemand anstößt. „Bei uns sollen die Kinder selber lernen, wie man mit Mengenangaben umgeht, auch wenn dabei schon mal was daneben geht“, sagt Marion Westphalen, stellvertretende Leiterin des Familienzentrums Flohkiste.

Kassandra und Dominik (auch 5) sind in dieser Woche das Lecker-Schmecker-Team und damit zuständig für Schwarzbrot backen und Müsli zubereiten. In Rezeptbüchern mit Fotos, auf denen Zutaten und Mengenangaben in Form von Tassen, Löffeln oder Waagenzeigern Schritt für Schritt dokumentiert sind, „lesen“ die zwei Vorschulkinder ab, was sie tun müssen. Da werden Formen gefettet, Mehl gemahlen, Salz und Sonnenblumenkerne abgemessen und Teig gerührt. „Bei Kindern, die das schon öfter gemacht haben, bin ich eigentlich nur noch schmückendes Beiwerk“, sagt Marion Westphalen, „die können das Meiste schon alleine“.

„Schmeckt gut“, findet Dominik, der ein bisschen Mehl pur probiert hat, aber so richtig überzeugt ist er nicht. Und den Geruch von Hefe finden die zwei Lecker-Schmecker auch nicht wirklich appetitlich. Der süße Agavendicksaft dagegen hat es ihnen angetan. Da muss Marion Westphalen mal kurz eingreifen, damit nicht zu viel genascht wird.

Gesunde Ernährung ist ein wichtiges Thema im Familienzentrum. Die Kinder gehen mit Einkaufen, lernen Wörter wie Roggenschrot und Dinkelmehl kennen und agieren in der Küche in Teamarbeit. Auf den Teller kommt viel Gemüse und zweimal in der Woche auch Fisch oder Fleisch. Köchin Lilija Yelisevich kocht mit Leidenschaft für die Kinder und findet immer neue gesunde Rezepte. Am vergangenen Mittwoch gab es Gemüsecremesuppe mit selbst gebackenem Brot und später Kuchen. Auf der „Speisekarte“ neben der Küchentür können die Kinder das auf Fotos „ablesen“.

Das Flohkisten-Konzept, in dem das Spiel als Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit wertgeschätzt wird, ist in Zusammenarbeit mit den Eltern entstanden. Soziales Miteinander und lebenspraktische Fähigkeiten stehen im Vordergrund. „Zum Glück gibt es hier auch noch Eltern, die sich richtig reinhängen“, sagt Marion Westphalen. Die Flohkiste ist eine Elterninitiative, die sich überwiegend über die Mitgliedsbeiträge finanzieren muss. Was sie sich wünscht? Einen Sponsor, der einen Anbau mit größerer, moderner Küche möglich macht, oder die Sanierung der Toilettenräume...

(Report Anzeigenblatt)