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Haste mal ’ne Tasse Sprit?

Haste mal ’ne Tasse Sprit?
Diese Woche war an einigen Tankstellen auch in Mönchengladbach die Benzinknappheit schon zu spüren, wie hier an der Aral-Tankstelle in Lürrip, wo es am Dienstagmorgen kein Super und kein Super E 10 - und später gar nichts mehr - gab. Auch an der freien Total-Tankstelle B57, Aachener Straße, war am Donnerstag Super und Diesel aus. FOTO: Theo Titz/ Ulrike Mooz
Mönchengladbach. Mancher mag es gar nicht so richtig realisieren, andere horten schon Vorräte: Das Benzin ist knapp, weil die Wasserstraße Rhein als Lieferweg wegen Niedrigwassers nicht mehr funktioniert. Und kein Ende in Sicht. Wann die nächste Lieferung kommt? Keine Ahnung heißt es an den Tankstellen in Mönchengladbach. Von Ulrike Mooz

Ebbe in den Tanks von Mönchengladbachs Tankstellen. „Noch zwei Tage, dann ist Ende“, sagt Ilhan Türkyilmaz von der Shell-Station Reyerhütter Straße am Mittwochmorgen. Bei Esso an der Dahlener Straße macht man sich zur gleichen Zeit schon Sorgen, wie es in den nächsten Stunden weiter gehen soll. „Wir sind kurz vor Exitus“, sagt Claudia Gülcicek, „heute Nachmittag ist wahrscheinlich Schluss. Die Aral-Tankstelle an der Volksbadstraße hatte schon am Dienstagmorgen auf die Zapfhähne von Super und Super E 10 kleine Zettel mit „leer“ geklebt. Später war auch der Diesel aus. „Bei uns gibt’s alles außer Sprit“, so die Pächterin am Dienstag. Dann gab es doch noch eine neue Lieferung, aber statt der rund 16 000 Liter die in der Regel pro Kraftstoffsorte kommen, gab es mal gerade knapp die Hälfte.

„Trotzdem kein Grund zur Panik“, sagt Herbert Rabl, Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbandes, „ es ist genug da, es liegt nur an der falschen Stelle.“ Es könne halt sein, dass man statt seiner Stamm-Tankstelle mal eine andere anfahren müsse. Das Problem sieht Rabl nicht nur im Niedrigwasser des Rheins, der zur Zeit nur noch Kraftstofflieferungen von rund 20 Prozent der üblichen Schiffs-Ladungen zulässt. Auch die in die Luft geflogene Raffinerie in Ingolstadt und die angespannte außenpolitische Lage gegenüber Erdöl exportierenden Ländern, seien Teil des Problems. Die großen Treibstofffirmen hätten jetzt die Situation, dass sie ein straff organisiertes kompliziertes und gut getaktetes System über neue Logistikwege auf der Straße komplett neu „stricken“ müssten. Weil die Pächter natürlich auf ihre Lieferverträge pochten, würde man da jetzt zum Teil „am Rad drehen“. Dem Interessenverband, in dem überwiegend freie Tankstellen organisiert sind, sei Mönchengladbach bisher nicht als Stadt mit extremen Lieferproblemen gemeldet worden, so Rabl. Die Kosten, so Rabl, würden komplett an die Verbraucher weiter gegeben, das sähe man an den hohen Spritpreisen.

(Report Anzeigenblatt)
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