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Extra-Tipp Mitarbeiterin Simone Krakau tauchte drei Tage lang in den Charme der Metropole der Niederlande ein
Schönes, verregnetes Amsterdam

Amsterdam. Viel Trubel, jede Menge Fahrräder und leckerer Käse. Simone Krakau, freie Mitarbeiterin des Extra-Tipp, hat sich die größte Stadt und Hauptstadt der Niederlanden einmal genauer angeschaut. Von Simone Krakau

Aus dem Versuch, dem Regen Anfang August in Mönchengladbach zu entfliehen ist leider nichts geworden. Eigentlich wollten mein Freund und ich nach Holland ans Meer - ganz egal wohin, Hauptsache Sonne, Wasser und Sand. Ein Blick auf die Wettervorhersage im Internet geworfen waren wir wohl nicht mehr so sicher, ob das so klappt. Genau wie hier in Mönchengladbach soll es auch in unserem Nachbarland monsunartig durchregnen. Spontan entscheiden wir uns für einen Städtetrip nach Amsterdam. Auch wenn dort kaum eine trockene Minute vorhergesagt wird, gibt ein Städtetrip im Regen ja doch mehr her als nasser Sand. Aus zelten wird dann leider auch nichts mehr – schade nur, dass mein Freund zwei Wochen vorher ein Wurfzelt für viel Geld gekauft hat, das jetzt wahrscheinlich erstmal im Keller wohnen wird. Alternativ finden wir das Lake-Hostel, ein Caravan-Park, ganz in der Nähe der Stadt mit anliegendem See. Blaue, pinke, gelbe, blaue und grüne kleine Wohnmobile verteilen sich auf der Anlage und machen dieses etwas andere Hostel zu einem absoluten Hingucker. Für ca. 30 Euro pro Nacht (pro Person) inklusive Frühstück nisten wir uns für drei Tage in unserer bunten Unterkunft mit 70er Jahre Charme ein. Mein absolutes Highlight ist auf Anhieb der Frühstücksbus. Ein alter, gelber Linienbus wurde von den Mitarbeitern umgebaut und bietet jetzt Platz für ein Buffet und Sitzmöglichkeiten – mal etwas anderes.

An unserem ersten Tag lassen wir uns mit dem hosteleigenen Shuttle-Bus zur Metrostation fahren und sind mit einem Tagesticket für 7,50 Euro in ca. 20 Minuten in der Stadt. Da es unser erstes Mal in der Stadt ist – mein Freund hat die Stadt nur bei einem Junggesellenabschied gesehen, also noch gar nicht – laufen wir mit dem Stadtplan in der Hand drauf los. Für einen Sonntag und dafür, dass es wie aus Eimern schüttet, tummeln sich jede Menge Leute in den enge Straßen und Gassen. Wir haben uns noch kein genaues Ziel gesetzt, also laufen wir einfach einmal drauf los. Irgendwann kommen wir dann auch zu den berühmten Grachten Amsterdams mit den schiefen, schmalen Häusern und fast genauso vielen Hausbooten.

Sobald der Regen auch nur ein bisschen aufhört hat man direkt das Gefühl, dass Amsterdam mehr Fahrräder als Einwohner hat. Überall hört man Klingeln und wird – wenn man denn den Bürgersteig, der deutlich kleiner ist als ein Fahrradweg, mit diesem verwechselt – schon mal schnell umgefahren.

Unseren zweiten Tag beginnen wir mit einem Bus-Frühstück und starten früh in die Stadt. Der Wettergott ist auch am Montag nicht auf unserer Seite, aber davon lassen wir uns nicht die Laune verderben. Heute möchten wir uns das Anne Frank Haus angucken. Das wir dafür Wartezeit mitbringen müssen, war uns von Anfang an klar. Das wir aber einundhalb Stunden warten, wussten wir nicht. Doch das Warten lohnt sich. Für neun Euro können wir das ehemalige Zuhause des jüdischen Mädchens besichtigen, das sich im 2. Weltkrieg vor den Nazis verstecken musste. Das sehr persönliche Museum macht nachdenklich und ist unglaublich interessant.

Auch zum Bummeln und Einkaufen ist Amsterdam toll. Die Kitsch-Kitchen hat es mir besonders angetan. Dort gibt es vom Kugelschreiber in Dackelform, über Gießkannen in Form eines Elefanten, bis hin zu witzigen Fahrradaccessoires alles, was das Kitsch-Herz begehrt.

Die nächste Regenpause nutzen wir, um uns ein leckeres Stück holländischen Käse zu kaufen. Gleich dazu ein Käsemesser und ein Stück Brot machen wir es uns in der sich selten zeigenden Sonne gemütlich. Als nächstes haben wir uns die Öffentliche Bibliothek vorgenommen. Denn die ist keine Bibliothek, wie man sie unbedingt kennt. Mit 28.000 Quadratmetern ist diese die größte in den Niederlanden. Eine ganz besondere Atmosphäre herrscht in dem hellen Gebäude. Ein Mädchen spielt Klavier und die Klänge hallen durch das ganze Gebäude. Ganze acht Stockwerke schauen wir uns an, bis wir auf der Terrasse sind, die uns einen Wahnsinns Blick über die Stadt bietet.

Von da an legen wir den Stadtplan erst einmal zur Seite. . Denn wenn wir uns auch ab und an verlaufen sehen wir Dinge, die wie ansonsten vielleicht nicht angestrebt hätten. Wir durchlaufen ein Viertel voller bunten Straßenkunst und finden uns vor dem Königspalast wieder, der von der Königsfamilie auch heute noch für offiziellen Auftritte und Empfänge genutzt wird.

Ausgelaugt und mit einer leckeren Fleischkrokette in der Hand, machen wir uns wieder auf Richtung Caravan.

Der dritte und letzte Tag kann kommen. Doch den wollen wir einfach nur auf uns zukommen lassen.

(Report Anzeigenblatt)